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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Bosnien-Herzegowina

Kaum Anlass zur Hoffnung

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>MEDIA MARKET - CHALLENGE OR DISASTER

Die Lage der unabhängigen Medien in Bosnien-Herzegowina bessert sich trotz anhaltendem Waffenstillstand kaum. Die staatlich kontrollierten Medien verhalten sich immer noch loyal zu den herrschenden Parteien, vor allem in der Republika Srpska, der serbischen Entität Bosniens, wo besonders die wichtigste Fernsehstation fortwährend eine Sprache des Hasses und Botschaften des Krieges ausgesendet hat. Auch im kroatisch kontrollierten Gebiet Bosniens, dem sogenannten Herzeg-Bosna, gibt es kein einziges unabhängiges Medium. Die Vorbereitungsarbeiten für eine kleine, unabhängige Zeitung müssen wie eine Verschwörung geleistet werden.

Die Situation für staatsunabhängige Medien ist heute fast schwieriger als während des Krieges. Der starke politische Druck und die schwierige wirtschaftliche Lage haben sich kaum verändert, aber zusätzlich hat das Interesse internationaler Organisationen nachgelassen, diese Projekte zu unterstützen.Vier Probleme stellen sich für unabhängige Medien in Bosnien heute:

  1. Es gibt kaum Verbindungen zwischen den Medien im Föderationsgebiet Bosnien-Herzegowinas und den Medien in der Republika Srpska. Weder ist die Bewegungsfreiheit garantiert, noch gibt es Telefonlinien.
  2. Die Vergabe von Frequenzen für unabhängige Radio- und Fernsehstationen wird weiterhin strikt kontrolliert. Lokale Sender wie z.B. NTV Studio 99 oder TV Zetel haben keine Chance, von der bosnischen Regierung eine Frequenz zugewiesen zu bekommen, die ihnen erlauben würde, auch in einer grösseren Region empfangen zu werden.
  3. Finanzielle Probleme zur Deckung der Löhne und der laufenden Kosten lasten schwer. Da es keine funktionierende Wirtschaft gibt, können die Medien auch nicht auf Werbeeinnahmen zählen.
  4. Es fehlt an allen Ecken und Enden an professionellen Medienschaffenden. Es gibt kaum Schulungsmöglichkeiten für JournalistInnen und technisches Personal. Kontakte zum Schweizer Fernsehen DRS wurden gemacht und werden vielleicht zur Durchführung einiger Workshops führen. Weitere Hilfe ist dringend notwendig.

Jasna Bastic, Medienhilfe Ex-Jugoslawien


NEWS

Rock under the Siege 2: Radio Zid, die unabhängige Radiostation aus Sarajewo, hat die zweite Ausgabe der CD "Rock under the Siege" herausgebracht: alternative, wilde Musik von jungen Bands aus einer belagerten Stadt. Die CDs (Vol. I+II) können bei der Medienhilfe bestellt werden für 50 Franken.

Home, sweet home: Die unabhängige Station Radio/TV 99 in Sarajewo hat endlich ihre Räume im Kellerverlies verlassen, in denen sie den ganzen Krieg über produzierte, und konnte in ein grösseres und helleres Büro umziehen.

Oko 10: TV 99 hat das populärste Nachrichtenmagazin in Sarajewo. Jeden Tag "Etwa um 10" ("Oko 10") bringt es kritische und provokative Berichte über alle gesellschaftlichen und politischen Themen.

Sankt Nikolaus: Der Radiojournalist Elvir Bucalo wurde in den Strassen Sarajewos zusammengeschlagen, weil er sich in einem Bericht kritisch mit der Regierungskampagne gegen den Samichlaus auseinandergesetzt hatte. Sankt Nikolaus steht laut bosnischer Regierung "nicht in der islamischen Tradition".

TVIN: Das Fernsehnetzwerk TVIN, von Carl Bildt mit internationalen Geldern aus vier lokalen Fernsehstationen zusammengesetzt, hat immer noch nicht zu einem organisatorischen und publizistischen Profil gefunden. TVIN funktioniert weder als Netzwerk bestehender Sender noch als neues zentrales Fernsehen, sondern verschwimmt irgendwo dazwischen mit einer Ausstrahlung nur im Gebiet der vier Lokalstationen. Von Anfang an krankte das Projekt an unklaren Vorgaben und Zielsetzungen seitens der internationalen Geldgeber.

FERN: Das von der Schweizer Regierung (mit)finanzierte und organisierte "Free Election Radio Network" FERN hat weiterhin Probleme, seine Sendungen an die Leute zu bringen. Neben den notorischen Problemen im serbischen Gebiet wird FERN jetzt auch im Föderationsgebiet zeitenweise vom Äther genommen. Zudem verfügt FERN immer noch nicht über ein wirkliches Netz von KorrespondentInnen in der Republika Srpska, da viele JournalistInnen Angst haben, von Seiten "ihrer" Regierung unter Druck zu kommen, wenn sie für FERN arbeiten. Die bestehenden lokalen unabhängigen Sender kritisieren FERN, weil es zwar gute und objektive Informationen bringe, aber sich jeglicher kritischer Berichterstattung enthalte.


MEDIA MARKET - CHALLENGE OR DISASTER

A Conference "Media Market – Challenge or Disaster" was held in Zenica on December 6 and 7, 1996. Representatives from 40 newspapers, radio/TV stations and news agency from the Federation and the Republika Srpska took part in this event as well as observers from OSCE in Sarajevo and Banja Luka, Aidin White, General Secretary of the International Federation of Journalists (IFJ) and experts on economic issues, management and media marketing. Media Plan (Sarajevo) organized the Conference with support of the National Endowment for Democracy and the Open Society-Soros Foundation.

In their suggestions the participants of the conference stress (excerpts):

  1. There is no free journalism nor media market without freedom of movement, free, undisturbed information flow and a free distribution of press.
  2. Media in BiH are in the state of a permanent uncertainty. Their status depends on the level of political freedom in certain parts of BiH. The biggest problem is that they cannot support themselves by selling advertisements and sponsoring contracts. Reliance on donations prevails. A permanent business crisis can seriously damage the achievements of free journalism.
  3. Media are not interconnected technically, economically, nor in business.
  4. We are expecting the international community to further offer their assistance to the so called small, local projects, because they offer the basis for the development of local democracy. We are asking donators to involve domestic experts and organizations in their projects.

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