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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Zwischen Krieg und Frieden

Mit dem Ende des Krieges begannen die Ereignisse in Bosnien-Herzegowina und der Region, vor allem in den direkt beteiligten und für das weitere Geschehen entscheidenden Staaten Kroatien und Serbien, aus den Schlagzeilen zu verschwinden. Die internationale Öffentlichkeit atmete erleichtert auf, als die Flut der schrecklichen balkanischen Kriegsbilder, täglich auf den heimischen Bildschirmen präsentiert und ins Alltagsleben eingewoben, endlich abbrach. Wiederaufbau und Verständigungsprozesse haben selten News-Wert für die Medien. Wenn die Prozesse des sozialen Wiederaufbaus und der Verständigung aber nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit betrieben und begleitet werden, wird dies früher oder später wieder zu Krieg führen.Mehr als ein Jahr nach Abschluss des Waffenstillstandsabkommens herrscht in Bosnien-Herzegowina immer noch eine Situation, die beschrieben werden kann als Zustand nach dem Krieg und vor dem Frieden. Immer noch beherrschen Parteien mit nationalistischen Programmen das politische Parkett – sowohl in den beiden Einheiten Bosnien-Herzegowinas, als auch im benachbarten Kroatien und Serbien/Jugoslawien. Sie verlangsamen und blockieren die notwendigen Prozesse der gesellschaftlichen Aufarbeitung und Kompromissfindung, die erst den Boden für einen wirklichen und stabilen Frieden abgeben. Statt Demokratisierung und gesellschaftlicher Pluralisierung beherrschen immer noch die Ideologien der ethnischen Homogenität zur Mobilisierung für nationale Interessen den politischen Alltag.Die meistverbreiteten und daher einflussreichsten Medien stehen unter staatlicher Kontrolle und führen die staatlichen Aufträge aus. Ideologie und Propaganda prägen den Medienalltag, während freier Zugang zu Information für die meisten Menschen nach wie vor nicht möglich ist. Um die menschlichen und materiellen Schäden von fünf Kriegsjahren zu überwinden, werden lange und schmerzhafte Prozesse notwendig sein. Diese erfordern Geduld und Wissen. Den Zeitungen und Zeitschriften, mehr noch aber Radio und Fernsehen kommen bei dieser Aufarbeitung wichtige Aufgaben zu. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, auch das gesellschaftliche Bewusstsein entstehen zu lassen und das gesellschaftliche Wissen über die neuen Grenzen hinweg auszutauschen, das in einem Klima der offenen Diskussion auch den Boden für das zukünftige Zusammenleben legen kann.Staatsunabhängige Medien im ehemaligen Jugoslawien, die der Wahrheit mehr verpflichtet sind als den nationalen Projekten, sind besonders wichtig für diese Entwicklung. Nach den Jahren, in denen sie gegen Krieg und Nationalismus angeschrieben und berichtet haben, stehen sie heute vor der Herausforderung, ihre Verantwortung wahrzunehmen als Friedensberichterstatterinnen, als Streiterinnen für die Menschenrechte, als Brücken der Verständigung. Sie schlagen eine Brücke zu uns in den Westen, in die Schweiz, zur Berichterstattung und zum Wissen um Krieg und Frieden, um die Probleme und Errungenschaften der gesellschaftlichen Entwicklung. Gegen Vorurteile und Voreingenommenheiten hier leisten sie damit ebenso einen Beitrag wie für die Überwindung der Kriegslogik dort. Mit einer Diskussions- und Veranstaltungsreihe wollen die Reitschule Bern und die Medienhilfe Ex-Jugoslawien einen Beitrag zur Differenzierung leisten: Wir thematisieren die Kriegsberichterstattung und die unabhängigen Medien, hinterfragen Clichees und Vorurteile, lassen die staatsunabhängigen Meinungen zu Wort kommen und leisten damit einen Beitrag zum Aufbau des Friedens durch Verständigung. Wir laden Sie herzlich ein, Teil dieses langfristigen Prozesses zu sein.Nena Skopljanac, Roland Brunner, Medienhilfe Ex-Jugoslawien

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