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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Internationales Seminar im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen

Frieden von unten

Eine Woche lang diskutierten und arbeiteten 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 12 Ländern in einem Seminar, das von Schweizer Hilfswerken und friedenspolitischen Organisationen durchgeführt wurde. Ein Rückblick von Roland Brunner*.

Im Mittelpunkt des Seminars "Frieden von unten - Building Peace from the Roots" stand der Erfahrungsaustausch und die Arbeit an Konzepten und Projekten gegen gesellschaftliche Krisen und zum Aufbau demokratischer Verhältnisse in krisen- und kriegsgeschüttelten Ländern, vor allem in Bosnien-Herzegowina und dem ganzen ehemaligen Jugoslawien. Gearbeitet wurde dabei in drei Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen "Sozialer Wiederaufbau", "Menschen- und Minderheitenrechte" und "Unabhängige Medien". Zu den TeilnehmerInnen zählten Fachleute wie die Südafrikanerin Hlengiwe Mkhize, die als Vorsitzende des "Reparations and Rehabilitation Committee" einen wesentlichen Beitrag in der südafrikanischen "Truth and Reconciliation Commission" leistet, die US-Amerikanerin Merle Lefkoff, die schon mehrheitlich auf höchster politischer Ebene als Vermittlerin tätig war, oder Mehmed Halilovic, Chefredaktor der Tageszeitung "Oslobodjenje", die für ihre professionelle Arbeit während des Krieges in Bosnien mehrfach ausgezeichnet wurde. Weitere TeilnehmerInnen stammten aus Chile, Irland, Israel, Kroatien und der Bundesrepublik Jugoslawien (inkl. Kosovo und Montenegro), Georgien und dem Libanon. Auch wenn es anfangs fast unmöglich scheint, so wichtige und hochqualifizierte Leute für eine ganze Woche an einem Seminar zu haben, betonten am letzten Tag alle, dass die Zeit viel zu kurz war, um alles zu besprechen und auszutauschen, was ihnen weiterhelfen würde.

Das Seminar wurde am 26. Oktober im Kinderdorf Pestalozzi eröffnet durch den Appenzeller Regierungsrat Werner Niederer, der die Bedeutung des Gesprächs zur Lösung von Konflikten durch Kompromisse betonte. An der Abschlussveranstaltung am Freitag legte seitens des Bundes Viktor Christen, stellvertretender Vorsteher der Politischen Abteilung 3 im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA die Massnahmen der Schweiz für den Frieden und zum Aufbau demokratischer Verhältnisse dar. Dazwischen lagen fünf Arbeitstage, in denen die TeilnehmerInnen um Perspektiven und Projekte rangen. Dabei wurde offensichtlich, wie gross die Kluft zwischen einem von oben verordneten Waffenstillstand und einem von unten errungenen Frieden ist. Offensichtlich wurde auch, wie wichtig ein Austausch zwischen den unterschiedlichen, aber überschneidenden Arbeitsfeldern und Projekten in den verschiedenen Ländern und die Kontinuität der gemeinsamen Erarbeitungen ist. Während PolitikerInnen, aber meist auch internationale GeldgeberInnen auf schnelle Erfolge von Hilfsprojekten hoffen und oft vorschnell die Finanzierung konkreter Projekte infragestellen, betonten die TeilnehmerInnen, dass auch Jahre nach dem Ende eines offenen Krieges oder nach dem Ende einer Diktatur die Probleme weiterbestehen und die Arbeit mit den Opfern weiter geleistet werden muss. Der gesellschaftliche (Wieder-)Aufbau, die Verständigung und Versöhnung verfeindeter Bevölkerungsteile und die Wiedergutmachung für die den Opfern angetanen Ungerechtigkeiten und Verletzungen muss sich in Jahrzehnten und Generationen rechnen. Um so wichtiger war es uns als OrganisatorInnen, den in der konkreten Arbeit steckenden Menschen während dieses Seminars die Erfahrung der gemeinsamen Arbeit zu ermöglichen und ihnen Mut zu machen, sich dieser Langzeitaufgabe zu stellen. Aber auch wir stehen damit vor Herausforderungen, die Arbeit unserer Hilfswerke und der Bundespolitik auf lange Beine zu stellen und nicht nur mit kurzen, hastigen Schritten der oft so bitter nötigen Katastrophenhilfe nachzurennen.

Die positiven Erfahrungen in dieser Woche, aber auch der offensichtlich grosse Bedarf an einem weiteren Austausch ermutigen uns, eine Weiterführung dieses Treffens ins Auge zu fassen. Wir glauben, dass die Schweiz damit eine einzigartige Chance hat, eine engagierte und solidarische Aussenpolitik zu entwickeln und hoffen, dass auch seitens des Bundes ein Interesse daran besteht, auf dem bisher erreichten aufzubauen und in den nächsten Jahren weitere Schritte mitfinanzieren zu können. Die solidarische und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen den VertreterInnen der beteiligten Organisationen, die dieses erste Seminar gemeinsam getragen haben, war jedenfalls ein erfreuliches Zeichen für einen nächsten Schritt auf dem Weg zu einem Frieden von unten.

* Roland Brunner ist aktiv in der Medienhilfe Ex-Jugoslawien. Er fungierte für dieses Seminar als verantwortlicher Koordinator.

Das Seminar "Frieden von unten" wurde organisiert von MitarbeiterInnen des cfd Christlicher Friedensdienst, der Gesellschaft Schweiz – Bosnien-Herzegowina, der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee GSoA, des Hilfswerks der evangelischen Kirchen der Schweiz HEKS, des Kinderdorfs Pestalozzi, der Medienhilfe Ex-Jugoslawien sowie des Schweizerischen ArbeiterInnenhilfswerk SAH und getragen von einem Trägerkreis, dem acht weitere Organisationen angehören. Unterstützt wurde das Seminar finanziell vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA und verschiedenen Unternehmen.

 

Engagierte Medien für den Frieden

Redaktor/inne/n und Journalist/inne/n von Zeitungen, Zeitschriften und Radiostationen im ehemaligen Jugoslawien, in Israel, Libanon und Georgien diskutierten die Herausforderungen für eine professionelle Medienberichterstattung in Zeiten von Kriegen und Konflikten. Betont wurde die Notwendigkeit eines professionellen Journalismus, der zugleich engagiert gesellschaftliche Werte vertritt und sich Rassismus und ethnischem Nationalismus entgegenstellt. Redaktionelle Unabhängigkeit von Strukturen wie Staat, Parteien aber auch Geldgebern müssten genauso ein Ziel sein wie die Verbundenheit mit ethisch-moralischen Vorstellungen und gesellschaftlich verantwortlichem Verhalten der Medien.

Als konkrete Resultate ihrer Arbeit legten die Medienschaffenden an der Abschlussveranstaltung vom Freitag drei Projekte vor, die während der Woche gemeinsam erarbeitet wurden: Eine gemeinsame regelmässige Beilage in den auflagestärksten regierungs-unabhängigen Zeitungen des ehemaligen Jugoslawien, die der gegenseitigen Verständigung und Vermittlung dienen soll und die damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Durchsetzung der Friedenshoffnungen leisten will, ein Projekt für die professionelle Ausbildung junger Journalist/inn/en in den Konfliktgebieten des ehemaligen Jugoslawiens und des Kaukasus sowie ein Projekt für einen Ausbildungsgang in Medienmanagement für Verantwortliche in unabhängigen Medien, der ihnen helfen soll, die auch wirtschaftlich schwierige Situation dieser Ländern bestmöglich zu überstehen.

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Die Mediengruppe am internationalen Seminar in Trogen

Ein komplette Dokumentation des Seminars "Frieden von unten" findet sich in englischer Sprache auf unserer Homepage >seminar

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