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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

ARKzin gegen Radio 101: Was heisst da unabhängig?

Früher Serben, heute Feministinnen

Vom Kämpfer für Medienfreiheit in Kroatien zum sexistischen und antidemokratischen Sender: "Radio 101" aus Zagreb wandelt sich zum Medium, das die Pflege von Vorurteilen zu seinem Programminhalt erklärt hat. Zum Beispiel im Umgang mit Feministinnen.

Tausende von Menschen demonstrierten vor einem Jahr in Zagreb, als die kroatische Regierung dem Radiosender 101 die Konzession nicht mehr erteilt hatte. Westeuropäische Massenmedien nahmen das Thema auf und zeigten die Schwierigkeiten der Tudjman-Regierung im Umgang mit kritischen Medien auf. Seine Partei HDZ gründete den Sender "Plavi 9", um "Radio 101" abzulösen.

Unter dem Druck der Massen hat die kroatische Regierung die Konzession für "Radio 101" doch noch erteilt. Wenig ist aber übrig geblieben vom Programminhalt. Der Zagreber Sender genoss einen Ruf als kritisches Medium, das zum dominanten nationalistischen Diskurs eine Alternative anbot. Heute allerdings werden Nachrichten aus Belgrad ironisierend präsentiert, kommen Gegner des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic nicht zu Wort oder werden Lieder der "andern, serbischen Seite" nicht ausgestrahlt.

Zum Eclat kam es Anfang November. "Radio 101" hatte die Feministin Djurdja Knezevic von der Zagreber Frauen-Infotek ins Studio geladen. Was als Gespräch über zivile, bürgerliche und in erster Linie Frauen-Themen gedacht war, endete als Verunglimpfung seitens des Moderators. Predrag Raos liess Knezevic kaum zu Wort kommen, so dass ihr keine Gelegenheit blieb, ihre Anliegen darzulegen. "Feministinnen existieren nur wegen des Geldes, um von ausländischen lesbischen Organisationen finanziell kräftig unterstützt zu werden", behauptete Raos. Später sagte er: "Sie ist hierher gekommen, um uns Befehle zu erteilen."

Die Diktion des Moderators und des Senders fügt sich nahtlos ein in die Wortwahl eines Franjo Tudjman. Der kroatische Präsident spricht immer wieder von "fremden Geldgebern" und "zweifelhaften Figuren", die angeblich gegen die Interessen des kroatischen Volkes arbeiten würden. Tudjman schreckt auch nicht davor zurück, von "genetisch programmierten Feinden" zu reden. Früher Serben, heute (auch) Feministinnen...

Dario Venutti

Neue Bücher aus dem ehemaligen Jugoslawien

Um das Verlagswesen der unabhängigen Medien zu stärken, kauft und liefert die Medienhilfe Ex-Jugoslawien Bücher unabhängiger Verlage über die neuen Grenzen hinweg. Diese Bücher in serbokroatischer Sprache können hier in der Schweiz bei uns bestellt werden. Neu in die Liste der lieferbaren Bücher aufgenommen wurden folgende Publikationen:

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Bestellungen für eine vollständige Liste der lieferbaren Bücher sowie der Bücher selber (auf Rechnung, zuzüglich Versandkosten) an: Medienhilfe Ex-Jugoslawien, Postfach, 8031 ZH. Fax: 01/272 46 37.

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