Back home

Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Kriegsberichte aus dem Kosov@?

Für die serbische Regierung in Belgrad ist es die südliche Region von Kosovo-Methojia, für die albanisch sprechende Mehrheit dort ist es ihre selbsternannte und unabhängige Republik Kosova - wir brauchen die "neutrale" Variante Kosov@. Gestritten wurde jahrelang mit gewaltfreiem Widerstand gegen Polizeirepression, mit Hoffnungen auf Europa und Maximalismus auf beiden Seiten - bis sich die zwei Konfliktseiten so weit entfremdet haben, dass der Dialog unmöglich wurde. Heute steht nicht die Unabhängigkeit, sondern der Krieg vor der Haustüre im albanisch bewohnten und serbisch kontrollierten Kosov@. Veton Surroi, Chefredaktor der Tageszeitung Koha Ditore und bekanntester unabhängige Journalist im Kosov@, erklärte nach den bewaffneten Auseinandersetzungen von Ende Februar, bei denen mehr als 30 Menschen getötet wurden, und den brutalen Polizeiübergriffen gegen die Protestkundgebungen vom 2. März, dass die serbischen Spezialeinheiten sich aus paramilitärischen Einheiten von Veteranen aus den Kriegen in Kroatien und Bosnien rekrutierten - sieben Jahre nach dem Kriegsbeginn in Slowenien und Kroatien, sechs Jahre nach Kriegsbeginn in Bosnien, zweieinhalb Jahre nach dem Waffenstillstand von Dayton und Jahre entfernt von einer wirklichen Lösung der vergangenen Kriege.

Bei den Protesten von Anfang März wurden auch unabhängige JournalistInnen misshandelt. Die International Federation of Journalists IFJ verurteilte in einem Schreiben die serbische "Kampagne des Terrors, der Einschüchterung und Gewalt" gegen die unabhängige Presse in dieser Region.

Jahrelang hatte die politische Führung der Kosov@-AlbanerInnen der Bevölkerung die Hoffnung vorgegaukelt, der gewaltfreie Widerstand bringe ihr die Unabhängigkeit. Die Lösung der Jugoslawienkrise durch die Anerkennung der Selbständigkeit von Kroatien und Slowenien müsse auch die Kosov@-AlbanerInnen mit der Eigenstaatlichkeit belohnen. Nach dem Waffenstillstand von Dayton platzte diese Hoffnung wie eine Seifenblase. Die internationale Politik hatte klargemacht, dass eine Lösung der politischen Probleme nur innerhalb der bisherigen Staatsgrenzen in Frage komme. Aus den Frustrationen nähren sich die heutige Gewaltbereitschaft und der politische Kredit der "Befreiungsarmee des Kosova". Es ist der kosov@-albanischen Führung nicht gelungen, mit gewaltfreiem Widerstand eine Internationalisierung des Konfliktes zu erreichen. Erst ein Krieg scheint dies zu ermöglichen. In den letzten Jahren hat eine Vielzahl von Gesprächen zwischen VertreterInnen oppositioneller Gruppen aus Serbien und aus dem Kosov@ stattgefunden. Konkrete Konzepte zur politischen Bearbeitung des Konflikts wurden erarbeitet und Handlungs- und Massnahmenkataloge erstellt. Die internationale Politik begnügte sich damit, die Kosov@-Frage zu ignorieren. Dringliche Forderungen und Vorschläge von NGOs und unabhängigen Medien landeten in den Abgründen diplomatischer Schubladen. Einmal mehr scheint Europa die Chance verpasst zu haben, einen Konflikt politisch zu bearbeiten und einen Krieg zu verhindern. Nachlässigkeit oder gar Absicht?

Unabhängige JournalistInnen im Kosov@, unter ihnen Veton Surroi, klagen die internationale Politik an, sie hätte Milosevic grünes Licht für den Krieg gegeben. Der US-amerikanische Sondergesandte Robert Gelbard beispielsweise erklärte anlässlich seiner letzten Reise unumwunden, der Kosov@ seine eine "innere Angelegenheit" Jugoslawiens. Kurz nachdem im Juni 1991 der damalige US-Staatssekretär James Baker eine ähnliche Erklärung abgegeben hatte, begann der Angriff der jugoslawischen Armee auf Slowenien.

Roland Brunner, Medienhilfe Ex-Jugoslawien

on MHxJU

News & Updates

Partners & Projects

Media- Monitoring

Mailinglist

suchen / search

go to top

P.O. Box, CH-8031 Zürich, Switzerland
Phone +41-1-272 46 37,  Fax +41-1-272 46 82, email: info@MEDIENHILFE.ch