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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

BiHnews

Medienprotektorat in Bosnien

Nachdem die internationale Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina mehr oder weniger erfolgreich die Kontrolle über die Gesetzgebung, die Wahlbestimmungen, das Staatswappen, die Autoschilder und vieles andere übernommen hat, folgt jetzt die Kontrolle über die Medienwelt. Das Büro des UN-High Representative Carlos Westendorp ist daran, eine Unabhängige Medienkommission – so ihr offizieller Name – zusammenzustellen, die nach internationalen Standards Sendelizenzen an elektronische Medien vergeben wird. Alle elektronischen Medien in Bosnien-Herzegowina müssen in den nächsten Wochen neue Gesuche für Sendebewilligungen einreichen. Die Kommission bindet die Vergabe an die Einhaltung der Standards für Technik und Programmgestaltung sowie an die Respektierung des journalistischen Berufsethos. Je nach Bewertung gibt die Kommission Empfehlungen an internationale Geldgeber ab, welche Medienprojekte unterstützt werden sollen. Bei drastischen Verstössen gegen Gesetze und Prinzipien professionellen Journalismus kann sie ein Medienunternehmen auch ganz schliessen. Die Medienkommission wird aus internationalen und bosnischen MedienvertreterInnen und juristischen ExpertInnen bestehen. Sie wird von den USA und der EU finanziert und soll noch vor den allgemeinen Wahlen im September Frequenzen vergeben, um damit die Propaganda der nationalistischen Parteien zu schwächen.

Medien-Mafia

Am 25. Mai 1998 veröffentlichte die Wochenzeitschrift Dani in Sarajewo einen Artikel über die lokale Medienmafia unter dem Titel "Bosnias Cosa Nostra". Das Dossier lieferte Profile der wichtigsten Medien-Mafiosi in Bosnien, Beschreibungen ihres Werdeganges und ihrer Verbindungen zu den politischen Parteien usw. Noch am gleichen Tag bewies der Artikel seine Berechtigung, als die JournalistInnen und Chefredaktor Senad Pecanin offene Drohungen erhielten. Ismet Bajramovic Celo, stadtbekanntester Krimineller und einer der reichsten Männer Sarajewos, erschien gleich persönlich mit Bodyguards im Dani-Büro, um sich mit bewaffneten Drohungen für die Erwähnung im Artikel zu bedanken. Die von verbaler Gewalt und Waffendrohungen eingeschüchterten JournalistInnen reichten Strafklage gegen Bajramovic und seine Bodyguards ein. Das Strafmass: 50 Franken! Sie hätten nur Wasserpistolen benützt.

Radio FERN

Das Free Election Radio Network, der 1996 von der Schweiz gegründete und seither mitfinanzierte Sender, wird seit Anfang Jahr von der OSZE bezahlt. Die Schweiz begleicht nur noch die Rechnungen für die Löhne der Schweizer Angestellten bei FERN. Nach dem September-Wahlen wird FERN zudem seinen Betrieb voraussichtlich ganz einstellen, läuft dann doch der jetzige Vertrag aus.

Jasna Bastic

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