Projektpolitik hüst und hott
Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien reicht jedes Jahr Projekte beim Bund ein. Meistens
richten wir unsere Anfrage um Projektfinanzierung an den Dienst für Friedensfragen
(Politische Abteilung III) beim EDA. Aber nicht immer klappt alles wie wir wollten.
Letztes Jahr fiel uns die Einreichung besonders schwer, da nach unserer Projektreise
nach Bosnien-Herzegowina und nach Serbien umfangreiche Detailabklärungen nötig wurden.
Erst Anfang November waren die Projekte abgeklärt und eingereicht. Wegen
verwaltungsinterner Umstrukturierungen blieben sie nochmals einen Monat liegen.
Prioritäten hie und da
Im Januar 1998 hatten wir Kontakt mit dem EDA/PAIII und mussten erfahren, dass eine
Projektfinanzierung im Budget 1997 nicht mehr möglich sei. Für 1998 könnten zudem keine
Projekte in Bosnien-Herzegowina berücksichtigt werden. Dafür würden Eingaben für
Kroatien priorisiert , nachdem seitens des Bundes drei Jahre zuvor darauf gedrängt
worden war, Projekte in Kroatien abzuschliessen, da der Krieg dort vorbei sei. (Inzwischen
war Tim Guldimann OSZE-Chef für Kroatien geworden.) Es wurde uns bedeutet, auch Projekte
in der Bundesrepublik Jugoslawien würden berücksichtigt. Nach Konsultationen mit unseren
ProjektpartnerInnen reichten wir drei Projekte ein, eines in der Bundesrepublik
Jugoslawien, zwei in Kroatien:
- Das Projekt der Nachrichtenagentur STINA in Split für ein Informations-Netzwerk über
die Rückkehr von Vertriebenen und Flüchtlingen und Ansätze von multiethnischem
Zusammenleben und Zivilgesellschaft; und
- "ARKzins Life in Cyberspace" der Zeitschriften ARKzin in Zagreb.
Mit einem Telefonanruf teilte uns das EDA/PAIII am 24. April 98 mit, beide
Projekte seien angenommen und es brauche nur noch einige Tage, bis das Geld überwiesen
sei. Wir begannen wie telefonisch mit dem Bund vereinbart mit der Vorab-Finanzierung der
Projekte.
Abgesate Zusage
Am 13. Mai erhielten wir einen Brief aus Bern, in dem uns ein negativer
Projektentscheid mitgeteilt wurde. In diesem Schreiben heisst es: "Inzwischen hat
sich die Situation in Kroatien für die rückkehrwilligen Minderheiten weiter verschärft,
ohne dass eine Besserung in Sicht ist. Das EDA hat deshalb entschieden, in Kroatien bis
auf weiters keine neuen Projekte zu unterstützen. Sollte sich die Lage in der zweiten
Jahreshälfte entspannen, ist es möglich, dass wir auf diesen Entscheid
zurückkommen." Dieser Entscheid fiel auf höchster Ebene im EDA über die
Köpfe hinweg und gegen den Willen in der PAIII. Was war geschehen?
Die Internationale Gemeinschaft hatte beschlossen, die Konferenz der Geldgeber für
Kroatien so lange auszusetzen, bis die kroatische Regierung die Bedingungen für die
Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge erfüllt. Während es nun tatsächlich Sinn
macht, die Finanzierung von Projekten einzufrieren, die direkt dem kroatischen Staat
zugute kommen, muss der Entscheid über die Medienhilfe-Projekte doch bezweifelt werden,
betrifft dies doch Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft und der aktiven
Friedensarbeit.
Offene Fragen
Erstens haben die von uns eingereichten Projekte mit den kroatischen Behörden und dem
Entscheid der Geberkonferenz nichts zu tun. Zweitens ist zu fragen, ob Kroatien zu einer
demokratischen Gesellschaft und zu rechtsstaatlichen Strukturen kommen kann, ohne dass
neben dem Druck der Internationalen Gemeinschaft auch Druck von innen kommt. Wäre es dann
nicht sinnvoller, wenn die Internationale Gemeinschaft diese gesellschaftlichen Kräfte
auch stärken würde statt sie für die Politik der Regierung zu bestrafen? Werden
die unabhängigen Medien und JournalistInnen in Kroatien nicht permanent von den
Regierungsmedien als "Feinde des Vaterlandes" und als "Verräter"
gebrandmarkt? Geschieht dies nicht gerade darum, weil sie in ihrem Journalismus die
gleichen Werte vertreten, die auch die Internationale Gemeinschaft als Massstab setzt? Wie
soll der langfristige Aufbau demokratischer Kräfte und professioneller, unabhängiger
Medien möglich sein, wenn die internationalen Geldgeber ihre Prioritäten nach
innenpolitischen Kriterien alle paar Wochen oder Monate verändern? Müssten nicht auch
die staatlichen Geldgeber unterscheiden zwischen staatlichen Empfängern und unabhängigen
PartnerInnen?
Wie immer dieser Entscheid im EDA zustande kam, wir hoffen, dass er nicht der
Bundesweisheit letzter Schluss war nicht nur für unsere Projekte, sondern im
Interesse einer kohärenten und konzeptionell klaren Politik auch der Hilfswerke
insgesamt.
Nena Skopljanac, Roland Brunner
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Absurde Situation
Der Entscheid des EDA, die Projektgelder für unabhängige Medien in Kroatien
auszusetzen, um so Druck auf die kroatische Regierung auszuüben, hat auch bei unseren
ProjektpartnerInnen Unverständnis ausgelöst. Sie schreiben in ihrem Brief:
That the Croatian national soccer team will participate in the World Soccer
Championships in France, that Croatian president Franjo Tudjman has just met with the
Portugese president Jorge Sampaio in Lisabon where Croatia is participating in the World
EXPO, that on the Croatian island chain Brioni is held the meeting of the Eastern European
ministers, and that the Croatian oppositional leaders have accepted the invitation from
the State Department to visit Washington, etc., is general public information.
Aforementioned is just a part of international activity on Croatias agenda for this month
that is taking place despite numerous complaints from the international community
concerning the issue of democracy in this country. No one mentioned above is exposed to
any type of sanctions whatsoever.. That is why we find it absurd that an agency, as an
alternative to the state agency which ceaselessly attempts to break the monopoly of
controlled media, which stands with those media that reveal exactly the same type of
politics for which Croatia is criticised by the international community, can have
sanctions placed against it. We believe that this action can only benefit those in Croatia
who wish to keep a status-quo in its media. We hope you will be sensitive to the absurdity
of our situation.
Stojan Obradovic, Goran Vezic, STINA Split |