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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

I Einleitung

Seit Ende 1992, d.h. seit mehr als sieben Jahren, unterstützt die Medienhilfe Ex-Jugoslawien nun schon unabhängige Medien auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Das Land zerfiel in dieser Zeit durch blutige Kriege. Die Propaganda staatlich kontrollierter Medien hat zu dieser Entwicklung in allen ehemaligen Republiken und jetzt neuen Staaten massgeblich beigetragen. In den meisten Ländern der Region gehört der Krieg zwar inzwischen der Vergangenheit an, aber von einem stabilen Frieden und einer verankerten Demokratie sind die Menschen noch weit entfernt. Es drohen sogar neue Kriege in der Region auszubrechen. Zu Beginn der 90er-Jahre international kaum beachtet, haben es unabhängige Medien gegen Ende des Jahrzehnts geschafft, mehr Aufmerksamkeit zu erwecken. Ihr permanentes Einstehen für Professionalität im Journalismus und demokratische Werte sowie ihr Beitrag zur Entwicklung grenzübergreifender Zusammenarbeit haben zu breiter Anerkennung ihrer Arbeit und ihrer Bedeutung geführt.

1999 mussten wir die Anfang Jahr geplanten Unterstützungsprogramme angesichts der Ereignisse in der Bundesrepublik Jugoslawien neu überdenken und neu definieren, nachdem sich die Mediensituation komplett verändert hatte. Unsere Priorität lag auf der Unterstützung unabhängiger Medien in Kosov@, Serbien und Montenegro.
Nach einem Jahr Krieg und gescheiterten Verhandlungen in Rambouillet nahm die Kosov@-Krise am 24. März 1999 eine neue Dimension an, als die Nato ihre Bombardierung der Bundesrepublik Jugoslawien begann. Albanischsprachige Medien gehörten zu den ersten Opfern brutaler Vergeltungs- und Vertreibungsakte der serbischen Polizei und Paramilitärs. Bereits am 24. und 25. März wurden ihre Redaktionsräume ausgeraubt und teilweise niedergebrannt. Der Nachtwächter der Tageszeitung “Koha ditore” wurde umgebracht. Zu den Hunderttausenden von vertriebenen Kosov@-AlbanerInnen gehörten JournalistInnen und VerlegerInnen. Die unabhängigen Medien bewiesen jedoch, dass sie der lebendigste und dynamischste Teil der Zivilgesellschaft sind. Die meisten Medienprojekte nahmen innerhalb kürzester Zeit ihre Arbeit im Exil in Mazedonien und Albanien wieder auf. Zu ihnen gehören unsere Partner, die Tageszeitung “Koha ditore”, die Zeitschrift “Zeri” und die Radiostation “RTV 21”. Für die traumatisierten Flüchtlinge waren in dieser Zeit neben der humanitären Hilfe Informationen nicht weniger wichtig, wussten doch viele nichts über das Schicksal ihrer Familienangehörigen und Bekannten. Die Arbeit der Medienhilfe Ex-Jugoslawien bestand zunächst darin, die MitarbeiterInnen unserer lokalen Partner ausfindig zu machen. Später konzentrierten wir unsere Anstrengungen darauf, ihnen bei der Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu helfen.

Der Luftkrieg der Nato und die Ausrufung des Kriegszustands in der Bundesrepublik Jugoslawien brachten auch die unabhängigen Medien in Serbien in eine sehr schwierige Lage. Viele unabhängige Radio- und Fernseh-Stationen wurden geschlossen; einige legten ihre Arbeit nieder, um der Militärzensur auszuweichen und um nicht die Programme des staatlichen Fernsehens und Radios ausstrahlen zu müssen. Es war in dieser Zeit sehr schwierig, regelmässigen Kontakt mit unsern PartnerInnen aufrecht zu erhalten. Die Möglichkeit, Hilfe zu leisten, war ebenso begrenzt.

Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien unternahm grosse Anstrengungen, die Schweizer Öffentlichkeit über die Entwicklungen im Kosov@ auf dem Laufenden zu halten. Weil nur wenige internationale JournalistInnen nach Beginn der Bombardierung im Kosov@ und in Serbien blieben, flossen Informationen sehr spärlich. Wir nahmen an öffentlichen Diskussionen teil, standen den Medien für Gespräche zur Verfügung, veröffentlichten Artikel unserer PartnerInnen aus Kosov@ und Serbien in führenden Schweizer Tageszeitungen und erstellten einen Informations-Verteiler über elektronische Post (E-Mail-Liste), über die wir Tagesaktualitäten und Hintergrundmaterialien verschickten.

Die Notlage in der Region machte deutlich, dass eine bessere Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen notwendig ist, um den unabhängigen Medien helfen zu können. Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien nahm an internationalen Treffen teil und legte den Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Organisationen und Stiftungen, welche in ihrer Arbeit zur Unterstützung unabhängigen und professionellen Medienschaffens ähnliche Ansätze und Kriterien verfolgen wie wir.

Obwohl die Entwicklung in der Region schnelles Handeln erforderte, wurden unsere Projekte von der Politischen Abteilung III (PA3) des Schweizer Aussenministeriums EDA, in früheren Jahren unser wichtigster Geldgeber, abgelehnt. Zwar wurden unsere Projekte vor den Nato-Bombardierungen eingereicht und angesichts der Ereignisse zweimal überarbeitet, doch infolge neuer Aufgaben- und Kompetenzverteilungen fielen diese Eingaben den Umstrukturierungen beim Bund zum Opfer. Die im Herbst 1999 begonnene Zusammenarbeit mit der Abteilung Zusammenarbeit Osteuropa und GUS-Staaten im Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA/AZO brachte dagegen inzwischen erste positive Ergebnisse hervor.

Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien dankt allen individuellen und institutionellen SpenderInnen, den grösseren wie auch den kleineren, für die Unterstützung und Zuwendung, die wir im vergangenen Jahr erfahren durften. Wir sind besonders jenen Menschen dankbar, die ihre Zeit und Energie zur Verbreitung unseres Informationsmaterials und zur Beschaffung von finanzieller Unterstützung für unsere Projekte aufgewendet haben.

Herausforderung: Die Zuspitzung des Konflikts und der Krieg im Kosov@ stellten auch die Medienschaffenden vor grosse Probleme.

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