Nichts gelernt in Bosnien?
William Walker, Chef der OSZE-Kosovo Verification Mission KVM, erklärte die Freiheit
der Medien zu einem zentralen Anliegen. Mit eigenen Programmen wolle man der
Kriegspropaganda beider Seiten entgegentreten (siehe Kasten Seite 2 und Seite 4) und damit
einer politischen Lösung des Konflikts den Boden bereiten. OSZE-Radio und -Fernsehen für
den Kosov@?
Schon am 9. November 1998 hatte die Medienhilfe Ex-Jugoslawien das Schweizer
Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA eingeladen und aufgefordert,
OSZE-Medienbeobachter in die Schweizer Mission einzubeziehen und ein spezielles Team für
die Überwachung der Medienfreiheit einzurichten. Seitens der Regierung wurde uns
versichert, dass die Medienarbeit ein zentrales Anliegen des Schweizer OSZE-Engagements
sei. Unser Vorstoss gründete auf einem Brief aus Belgrad, in dem das Netzwerk
unabhängiger elektronischer Medien in Serbien ANEM die OSZE mit konkreten Vorschlägen
zur Zusammenarbeit einlädt. Der Brief und der ANEM-Aufruf finden sich auf unserer
Homepage.
Geschehen ist bisher wenig bis nichts. Für ein Treffen am 1. Dezember 1998 zwischen
Botschafter William Walker, Chef der KVM, und Veran Matic, Chefredaktor von Radio B92 und
Präsident von ANEM, lag ein detailliertes Papier auf dem Tisch, in dem ANEM die
Informationspolitik der OSZE zur Diskussion stellte. Ausgehend von einer Untersuchung
über das Vertrauen der Bevölkerung in internationale Programme und Informationen wurde
der OSZE vorgeschlagen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um lokalen
unabhängigen Medien zu ermöglichen, mit ihren eigenen Programmen im Kosov@ eine
Öffentlichkeit zu finden. Verschiedene lokale Radio- und Fernsehprojekte, die immer noch
keine Sendebewilligung aus Belgrad erhalten haben, sollten unter dem Schutz der OSZE ihren
Beitrag zu professioneller und auf politische Verständigung orienterter Medienarbeit
leisten können.
Mit einer detaillierten Programmstruktur, genau definierten Bedürfnissen der lokalen
Medien im Bereich Ausbildung und Technik, mit einem klaren politischen Ziel und einer
offen auf Verständigung ausgerichteten Strategie sollte der OSZE ein Weg gezeigt werden,
die Fehler des internationalen Engagements in Bosnien-Herzegowina nicht zu wiederholen.
1996 hatte die OSZE unter Vorsitz der Schweiz beschlossen, für die Wahlen
eine eigene Radiostation, das Free Election Radio Network FERN, und einen Fernsehsender,
Open Broadcast Network OBN, zu installieren und zu finanzieren. Die Medienhilfe
Ex-Jugoslawien protestierte gegen dieses Vorgehen leider ohne Erfolg.
Die Vorstellungen und Vorschläge von ANEM wurden von William Walker sehr offen und
positiv aufgenommen. Seit diesem Treffen sind drei Monate vergangen, ohne dass konkrete
Schritte unternommen wurden. Im Gegenteil: Für die Friedensverhandlungen von Rambouillet
diente der alte OSZE-Vorschlag als Grundlage. Dank der Zusammenarbeit von ANEM mit BBC ist
es wenigstens gelungen, über den BBC-Satelliten für einzelne Regionen des Kosov@ eine
unabhängige Berichterstattung zu ermöglichen. Unterdessen wütet der Kleinkrieg zwischen
serbischen Unsicherheitskräften und albanischen Aufständischen auf eine
Nato-Intervention hin weiter. Es scheint einfacher zu sein, einen Nato-Einsatzbefehl zur
Bombardierung zu erhalten, als ein griffiges OSZE-Mandat zur Durchsetzung ziviler
Massnahmen. Während Bomben gegen den Willen Belgrads und selbst der Uno eingesetzt werden
können, meint die Diplomatie immer noch, für zivile Massnahmen auf die Zustimmung von
Milosevic warten zu müssen bis es für zivile Massnahmen wieder einmal zu spät
sein wird...
Roland Brunner |
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| Aus einem Interview mit
William Walker, OSZE-KVM-Mission
AN EFFORT FOR A BETTER KOSOVA
ZERI: Medias in Kosova are said to be also among the verification issues. Can you tell
us what are the plans of KVM regarding this. And can we expect the establishment of radio
or TV channels in Kosova by the side of KVM?
WALKER: We are going to try and mount a very robust public information program. We want to
get out something that is not coming strictly from one side or the other. We will look
into all ways of doing that efficiently, effectively and geting it to the most people
people who want to hear what we consider to be the truth.I agree that the media
problem is a serious one. I think there are people on both sides who use their access to
the media to propagate information that really does not help the situation in terms of
calming it down, trying to release some of the tension that is here. So we will try to
mount some sort of campaign, it might involve radio, it might involve TV, it might involve
other ways of geting information out KVM information, information that is not one
side or the other sides propaganda. We will try very hard to do that.
aus: Zeri, unabhängige Wochenzeitschrift in Pristina, Nr. 1685, November 28.
Ein englischer Digest von ZERI wird wöchentlich von PressNow veröffentlicht, zu finden
unter: http://www.xs4all.nl/~pressnow/zeri/zeri.html
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