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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

World Press Freedom Review 1998

Das Internationale Presseinstitut IPI veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über Verletzungen der Medienfreiheit. Auch letztes Jahr hat das ehemalige Jugoslawien darin seitenweise zu Buche geschlagen.

Slowenien findet dieses Jahr keinen Eingang in den Bericht mehr, nachdem es letztes Jahr schon hiess, die “Medien in Slowenien gehören zu den freiesten im ganzen ehemaligen Jugoslawien”. Selbst die Schweiz hat da schlechter abgeschnitten...

Kroatien hingegen findet immer noch wenig Gnade im Jahresbericht 1998. Die Medien seien alles andere als frei. Vor allem die Übergriffe der Regierung durch Verfahren und Gerichte wird angeprangert: “Herausgeber unabhängiger Zeitungen sehen sich einem Schwall von Gerichtsverfahren ausgesetzt, die dazu gemacht scheinen, sie zu mehr Zeit auf den Gerichtsbänken als auf ihren Redaktionssesseln zu verdammen”. Neben einer Vielzahl von Einzelfällen stand die Auseinandersetzung um ein neue Gesetz für das staatliche kroatische Radio und Fernsehen HRT im Vordergrund. Die OSZE-Mission in Kroatien hatte hier Druck gemacht, aber Kroatien habe diese Chance für eine demokratische Reform verspielt.

Bosnien-Herzegowina stand 1998 praktisch unter ausländischem Kommando. Um den Einfluss der nationalistischen Medien zurückzudrängen und den gesetztlichen Rahmen für die Medienarbeit zu klären, wurde vom Büro des Uno-Sonderbeauftragten in Bosnien-Herzegowina eine Unabhängige Medienkommission IMC gegründet. Laut IMC-Generalsekretär Krister Thelin war das Ziel, “das Loch zu stopfen, das im Friedensabkommen von Dayton im Bereich Medien hinterlassen wurde”. Auch in Bosnien griffen staatliche Stellen immer wieder zu juristischen Massnahmen, um unabhängiges Medienschaffen einzuschränken. “Viele Fälle der Einschüchterung von Medien wurden während des Jahres gemeldet, vor allem während der Wahlperiode. Berichte über Einschüchterungen durch die Polizei gibt es weiterhin.”

Spitzenreiterin bezüglich Verstössen gegen die Medienfreiheit ist auch 1998 wieder die Bundesrepublik Jugoslawien. Das neue Informationsgesetz wurde und wird dazu benutzt, Medienschaffende und Herausgeber mit hohen Geldstrafen zu belegen, falls sie nicht Teil der gleichgeschalteten Regierungsmeinung sind. Nach einer ersten Welle von Übergriffen gegen Zeitungen und Zeitschriften in Belgrad und Region standen Ende Jahr vor allem die Printmedien in der Region Kosov@ auf der Abschussliste. Auch im Bereich elektronischer Medien ist die Liste lang. Eine Vielzahl von Radiostationen erhielten trotz vorhandener Qualifikationen bei der staatlichen Vergabe keine Sendefrequenzen und/oder wurden geschlossen. Dafür besitzt inzwischen jedes der vier Familienmitglieder von Milosevic mindestens ein Medium. Tochter Marija beispielsweise ist Besitzerin von TV Kosava (der Name kommt von einem kalten Nordwind). TV Kosava berichtete live von der MTV-Europe Music-Preisverleihung. Der Preis “MTV Free Your Mind” geht an die unabhängige Belgrader Station B92 / Schnitt / Werbung...
Die Zuspitzung des Konfliktes im Kosov@ wurde auch auf dem Rücken der lokalen und internationalen Medienschaffenden ausgetragen: Einreiseverbote, Ausweisungen, Verhaftungen, physische Übergriffe durch die Polizei, die Liste der Verstösse ist lang und wird wohl auch 1999 kaum kürzer.

Mazedonien war bezüglich Medien für IPI ein Problem vor allem während der Wahlen und bezüglich Besitzerrechte. Der Fall des grossen Verlagshauses Nova Makedonija, Herausgeber mehrerer Tageszeitungen und Zeitschriften, wird dokumentiert. Obwohl vor zwei Jahren privatisiert, hat sich dort wenig geändert. Verlag, Vertrieb, Marketing, finanzielle Verantwortung, Chefredaktion aller Medien, alles blieb und bleibt in den Händen eines Mannes und zu einem Drittel im Besitz des Staates.


Die vollständigen IPI-Länderberichte 1998 und 1997 für das ehemalige Jugoslawien sind auf Englisch zu finden auf unserer Homepage

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