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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Zeichen der Zusammenarbeit

Internationale Organisationen, staatliche wie regierungsunabhängige, versuchen seit Jahren, unabhängiges und professionelles Medienschaffen gegen die Kräfte des Krieges zu stärken. Von “global players” wie der UNO bis hin zu Gruppen wie der Medienhilfe Ex-Jugoslawien versuchen alle, ihr bestes zu geben für den Aufbau einer lokalen Medienwelt, die mit ihrer Berichterstattung einen Beitrag leistet zu Verständnis und Verständigung, zum Aufbau von Demokratie und zur Respektierung von Menschenrechten. Ob gross oder klein, alle ziehen am selben Strick – sollte man wenigstens meinen.

Leider ist dem selten so. Während staatliche Organisationen ihre Top-down-Projekte mit grossen Mitteln zu “implementieren” versuchen, arbeiten lokale Medienschaffende und regierungsunabhängige Organisationen mit Buttom-up-Ansätzen (s. letztes Info). Aber auch zwischen den staatlichen Akteuren kracht es, wenn nationalstaatliche Interessen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit in die Quere kommen. So sind im Kosov@ sowohl das Radioprojekt von RTK (OSZE-gestützt) wie Radio Blue Sky (UNO-Projekt) – beide mit starker Schweizer Unterstützung – eigentliche internationale Top-down-Projekte, aber deshalb herrscht noch lange kein Geist der Kooperation. Da beiden Projekten die längerfristige Finanzierung fehlt und ihre Einschaltquoten marginal sind, soll nun das UNO-Radio Blue Sky dem OSZE-Radio- und Fernsehen Kosova RTK einverleibt werden. Um die genauen Bedingungen dieses mehr oder weniger “friendly takeover” wird derzeit hart gerungen.

Aber auch über den Kosov@ hinaus kracht es im internationalen Gebälk. Der Stabilitätspakt, mit grossen Worten als Lösung für die Probleme der ganzen Region angepriesen, kommt unter scharfe Kritik von lokalen Medienschaffenden und regierungsunabhängigen Medienorganisationen. Medienprojekte für 12,4 Millionen Euro, fast 20 Millionen Franken, liegen auf dem Tisch von Bodo Hombach, Koordinator des Stabilitätspaktes. Bisher wurde allerdings nichts bewilligt – und das ist für einmal sogar gut so.

Die wenigsten der von internationalen Organisationen eingereichten Projekte entsprechen den Voraussetzungen vor Ort und beziehen lokale Medienprojekte ein. Vielmehr scheinen einige internationale Organisationen zu versuchen, sich die spärlichen Stabilitäts-Millionen unter den Nagel zu reissen. Lokale Medienschaffende erhalten im besten Fall einen mageren Lohn als minderwertige Angestellte, als ÜbersetzerInnen oder “ImplementiererInnen”, während der grösste Teil der beantragten Gelder für fürstliche Gehälter und Infrastrukturkosten im Westen bleiben würden.

Zudem zielen viele der vorliegenden Projekte, in weiter Ferne von den Problemen verfasst, an den Bedürfnissen lokaler Medienschaffender vorbei. Oft wird Bestehendes verdoppelt und verdreifacht, ohne Nachfrage und Machbarkeit abgeklärt zu haben. Zum Teil verschwinden Unsummen in “Fact-finding-missions” und “assessments”, um Fragen abzuklären, die längst geklärt sind.

Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien hat ihre Zusammenarbeit ausgebaut mit anderen Organisationen, die Medienprojekte im ehemaligen Jugoslawien unterstützen. Ende Mai fand in Brüssel ein grosses Koordinationstreffen statt und Anfang Juni traf sich in Budapest ein internationaler Arbeitsausschuss aus VertreterInnen von Swedish Helsinki Committee, Norwegian Peoples Aid, Press Now aus Holland, Open Society Institute und Medienhilfe Ex-Jugoslawien. Wir werden diese Zusammenarbeit weiter stärken – im Interesse unserer ProjektpartnerInnen und im Interesse der eigenen Arbeit.

Roland Brunner

Hintergründe

"Es wird Verteilkämpfe absetzen." Unter diesem Titel erschien im Tages-Anzeiger am 26. April ein Gespräch von Marlène Schnieper mit Blerim Shala über Kosovos neue Medienvielfalt. Blerim Shala ist Chefredaktor der Tageszeitung und der Wochenzeitschrift Zeri sowie seit langem ein Projektpartner der Medienhilfe Ex-Jugoslawien.

IFJ gegen Pressegesetz

Als “verwirrlich” und “gefährlich” bezeichnet der Internationale Journalistenverband IFJ den Entwurf der internationalen Gemeinschaft für ein Mediengesetz im Kosov@. Die OSZE müsse die Grundlagen für freie Medienarbeit legen, statt sich selber zum Medienpolizisten erheben zu wollen, kritisierte IFJ-Generalsekretär Aidan White.

Eine Schwalbe 
am blauen Himmel

Der Himmel über Kosov@ dröhnt von Radiogeplärre. Seit Oktober 1999 sendet auch Radio Blue Sky, betrieben mit Geldern der Schweizer Regierung von der Fondation Hirondelle (die Schwalbe). Schon vor Inbetriebnahme hat die Medienhilfe Ex-Jugoslawien dieses Projekt mit deutlichen Worten kritisiert – leider fast vergeblich.
Inzwischen ist die Kritik an Blue Sky gewachsen, auch wenn die Verantwortlichen ihren Erfolg selber preisen. Die Auseinandersetzung um diese Medienschwalbe ist nachzulesen auf unserer Homepage.

zu finden hier

 

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