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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Montenegro in Farbe

In den letzten Monaten konnte die Medienhilfe Ex-Jugoslawien ein Projekt zum Ausbau und zur Modernisierung der Druckerei Roto-Slog in Podgorica (Montenegro) durchführen. Ein Bericht über den Projektverlauf.
von Nena Skopljanac

Die Druckerei Roto-Slog wurde 1997 gegründet. Sie ist die einzige unabhängige Druckerei, die über eine Rotationspresse für Rollenoffset verfügt. Roto-Slog gehört zu 60% Daily Press (Verlag, der die unabhängige Tageszeitung Vijesti herausgibt), zu 20% Montenegropublic (Verlag der unabhängigen Wochenzeitung Monitor) und zu 20% der alten privaten Druckerei Slog. 

Die Auflage von Monitor liegt bei 10’000. Vijesti ist die auflagenstärkste Zeitung in Montenegro. 26’0000 verkaufte Exemplare entsprechen vier Prozent der Bevölkerung; zieht man in Betracht, dass ein Exemplar von drei bis vier Personen gelesen wird, erreicht Vijesti 15 Prozent der Bevölkerung (in der Schweiz entspräche das einer LeserInnenschaft von 900’000).

Der New Yorker Media Development Loan Fund MDLF gewährte Roto-Slog 1997 ein Darlehen von 220’000 US$, um eine Rotationsdruckmaschine für Rollenoffset kaufen zu können. Das Darlehen wird nach regulären Raten abbezahlt. Beschränkte Mittel begrenzten aber weiterhin Kapazität und Qualität.

Ein erster Schritt: Beschaffung der Farbrotationsdruckmaschine

Mit dem Erstarken von Vijesti und Monitor und mit der Zunahme der Kundschaft unter montenegrinischen und sogar serbischen unabhängigen Presseprodukten konnte die Druckerei den Anforderungen nicht mehr genügen. Die Erweiterung der bestehenden Anlagen ist nicht nur für die Besitzer, sondern auch für die dort gedruckten unabhängigen Zeitungen von entscheidender Bedeutung. Um auf dem Medienmarkt Montenegros bestehen zu können, ist zudem eine Vierfarben-Druckmaschine Voraussetzung.

Ende 1998 begann die Suche nach den Finanzen und einem günstigen Angebot für eine Farbrotationsdruckmaschine mit hoher Kapazität. Die beste Offerte ging ein für 390’000 US$. Roto-Slog finanzierte die Maschine zu 45 Prozent (US$ 175’000) durch eine zweite Anleihe bei MDLF, während der Rest von einigen wenigen Organisationen beschafft wurde, die unabhängige Medien unterstützen: Open Society Institute, Norwegian People’s Aid, USAID und Medienhilfe Ex-Jugoslawien. Die Projektabwicklung wurde von MDLF koordiniert. Im Oktober 1999 wurde die neue Druckmaschine bei Roto-Slog installiert und die Ausbildung der Belegschaft begann. Anfang des neuen Jahres konnte die Maschine regulär in Betrieb genommen werden. Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien hat zu diesem Teilprojekt 75’000 Franken beigetragen, die über die DEZA/AZO beschafft werden konnten. 

Der zweite Schritt: Ausrüstung für die Farbdruckvorbereitung

Zwar konnte die neue Maschine in Farbe drucken, aber es fehlte noch die notwendige Umstellung der Druckvorbereitung auf Farbe. Weil Roto-Slog keine weitere Anleihe aufnehmen konnte, wurden die gesamten Kosten von US$ 75’000 durch folgende Organisationen gedeckt: Schwedisches Helsinki Komitee (Stockholm), Heinrich-Böll- und Friedrich-Ebert-Stiftung (Deutschland), Press Now (Amsterdam), Norwegian People’s Aid (Oslo) und Medienhilfe Ex-Jugoslawien. Dieser Projektteil wurde von der Medienhilfe Ex-Jugoslawien koordiniert. Die beteiligten Pertner Heinrich-Böll-Stiftung, Press Now und Norwegian People’s Aid realisierten ihre Projektunterstützung über die Medienhilfe Ex-Jugoslawien. 15’000 Franken durften wir zudem von der DEZA/AZO für dieses Projekt entgegennehmen.

Die Realisierung dieses Projektteils begann im November 1999 und sollte bis März 2000 abgeschlossen sein. Schon im Januar waren alle notwendigen Computerkomponenten vor Ort und die Bedienungsprogramme wurden installiert. Die Blockade der serbisch-montenegrinischen Grenze durch das Regime in Belgrad im Februar verunmöglichte aber weitere Transporte auf dieser Route. Da das Unternehmen, das die Ausrüstungsgüter aus den USA besorgte, seinen Sitz in Belgrad hat, mussten wir einen anderen Weg finden, um die noch fehlenden Teile nach Podgorica zu liefern. Die Güter wurde von den USA nach Wien geflogen und dort eingelagert, bis sie über Ungarn, Kroatien und Bosnien-Herzegowina per Lastwagen transportiert werden konnten. Dazu mussten zwei zusätzliche Unternehmen für Lagerung und Transport einbezogen werden. Im Mai war endlich die gesamte Ausrüstung in Montenegro angekommen und am 1. Juni konnte mit etwas Verzögerung die Arbeit beginnen.

Wichtiges geleistet

Roto-Slog druckt beinahe alle Zeitungen in Montenegro, die nicht von der Regierung kontrolliert sind: drei Tageszeitungen, vier Wochenzeitschriften und einige Periodika. Auch die Ausgabe für Serbien der Wochenzeitung Reporter aus Banja Luka (Bosnien-Herzegowina) wird hier gedruckt. Mit der zweiten Rotationsmaschine bestehen nun genügend Kapazitäten, um die Publikationen gemäss Erscheinungsplan zu drucken und sie rechtzeitig an die Kioske auszuliefern. Dank der neuen Maschine können zudem die grafische Gestaltung (Farbe) und die Druckqualität beträchtlich gesteigert werden. Damit wird längerfristig auch die Marktfähigkeit dieser Zeitungen und Zeitschriften verstärkt. 

Die Projektarbeit der Medienhilfe Ex-Jugoslawien hat Roto-Slog geholfen, die minimalen Bedingungen an die Infrastruktur zu erfüllen. Damit wurde ein grosses strategisches Problem gelöst und ein wichtiger Beitrag an das Überleben einer freien Presse in Montenegro geleistet. Wir danken allen, die mit ihrer Spende dazu beigetragen haben – vor allem natürlich der DEZA/AZO für ihren substanziellen Beitrag.

 

RotoSlog - heute eine moderne Druckerei

 

 

 

Mediensituation Montenegro

Die Spannungen in der montenegrinischen Politik spiegeln sich in den Medien. Während die Regierung die Tageszeitung Pobijeda und Radio-Fernsehen Montenegro kontrolliert, nutzen die pro-serbischen und pro-Milosevic orientierten Kräfte der Sozialistischen Volkspartei SNP die Tageszeitung Dan für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung – vor allem im Norden des Landes. Die unabhängigen Medien haben in dieser Situation an Profil, Popularität und Glaubwürdigkeit gewonnen. Trotz dieser Polarisierung gelingt es ihnen bisher, die Kriterien für eine professionelle Berichterstattung zu erfüllen. Dies gilt vor allem für Printmedien: die unabhängige Tageszeitung Vijesti, die in Montenegro die höchste Auflage erreicht, sowie die Wochenzeitschrift Monitor, die als erste unabhängige Publikation in Montenegro überhaupt auch heute noch einen sehr guten Ruf geniesst.
Die schwierigste Zeit durchlebten die Medien in Montenegro während der Nato-Bombardierungen. Trotz der ständigen direkten Drohungen seitens der jugoslawischen Armee, die Bestimmungen des Ausnahmezustandes und Kriegsrechtes durchzusetzen, und trotz zweier Prozesse, die vom Militärgericht gegen die beiden Journalisten Miodrag Perovic (Monitor) und Nebojsa Redzic (Radio Free Montenegro) angestrebt wurden, konnten die Medien in Montenegro auch während des Krieges eine verlässliche und professionelle Berichterstattung aufrecht erhalten.

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