Langer Atem gefragt
Bundesbeiträge zum Aufbau der Zivilgesellschaft
Das nationalistische Erbe auf dem Balkan kann nicht von heute auf morgen überwunden werden, obwohl gewisse Länder einige Schritte in dieser Richtung unternommen haben. Der Aufbau multiethnischer und multikultureller Gesellschaften nimmt viel Zeit in Anspruch. Teil dieses langen und oft schmerzlichen Prozesses ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Erst die Offenlegung der in den vergangenen Kriegen und unter diktatorischen Regimes begangenen Verbrechen macht Versöhnung möglich. Die gleichberechtigte Integration von Minderheiten und die Förderung des Austauschs zwischen Minderheit und Mehrheit einerseits, die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit anderseits bilden fundamentale Eckpfeiler für den Aufbau demokratischer Gesellschaften.
Die Ausgangslage ist nicht einfach: so stellt z.B. die Bundesrepublik Jugoslawien eine Klammer für auseinanderstrebende Gebiete (Montenegro, Kosov@) dar, in denen nicht weniger als 30 verschiedene Minderheiten leben, darunter die UngarInnen in der Vojvodina und die Roma. Auch im Kosov@ muss ein gangbarer Weg im Umgang mit der Minderheitsbevölkerung erst noch gefunden werden. Und die Auseinandersetzung mit vergangenen Taten hat erst in Ansätzen begonnen.
Friedensförderung und Demokratisierung sind zentrale Ziele des Bundes für diese Region Europas. Der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit hat sich allerdings schon lange von hier abgewandt. Im Brennpunkt des Medieninteresses stehen momentan Afghanistan und der Kampf gegen den Terrorismus. Entgegen diesem Zeitgeist und deshalb umso erfreulicher hat sich das EDA zugunsten eines andauernden Engagements auf dem Balkan entschieden.
In diesem Sinne stellt die Politische Abteilung für Menschliche Sicherheit (PA IV) der Medienhilfe knapp 180'000 Fr. für die Unterstützung von Minderheiten-Medien in Serbien und Kosov@ zur Verfügung. Unter den begünstigten Projekten befinden sich die einzige albanisch-sprachige Zeitung in Serbien
Jehona und die Roma-Sender Voice of Roma und Radio Nisava. Eine Produktion von
TV Arhitel über die Rolle der serbischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenhang mit den Kriegen gehört ebenfalls dazu. Im Hinblick auf die Wahlen im Kosov@ war die Unterstützung des multiethnischen
Radio Kontakt, der serbisch-sprachigen Radio-Stationen Kontakt Plus und Max sowie des
TV-Studios Prizren, das auch die bosnische und türkische Minderheit
erreicht, von besonderer Bedeutung. Auch die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit DEZA/AZO hat einen Betrag von 200’000 Fr. zugesichert, der für Projekte unabhängiger Medien in Serbien und Montenegro (ANEM, B92, Rotoslog) sowie die Zusammenarbeit von Minderheiten- und Mehrheiten-Medien (ungarischer Nachrichtendienst von
BETA) bestimmt ist.
Die Unterstützung unabhängiger Medien stellt eine langfristige Investition in die Entwicklung stabiler, friedlicher und demokratischer Gesellschaften im ehemaligen Jugoslawien dar. Ohne einen langen Atem kann jedoch gar nichts erreicht werden. Die Medienhilfe freut sich für ihre PartnerInnen, dass uns durch die Beiträge des Bundes sozusagen die Luft für einen fortdauernden Einsatz nicht ausgeht. Gleichzeitig bedanken wir uns auch bei Ihnen allen, die Sie uns diese Arbeit mit Ihrer Spende ermöglichen.
Vanda Mathis
source: Medienhilfe-Info 2001-4
published by: Roland Brunner rbr@medienhilfe.ch
date of release on this site: 6-11-2001
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