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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Berner Zeitung 30.3.2001

Antimazedonische Hetzparolen

Bundespolizei verzeigt «Bota Sot»

Das Bundesamt für Polizei verzeigt die kosovo-albanische Zeitung «Bota Sot» wegen Verstosses gegen die Antirassismusstrafnorm. Die Behörden reagierten auf Kritik der Kommission gegen Rassismus.

Denis von Burg

Seit dem Ausbruch der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen albanischen UÇK-Rebellen und mazedonischen Ordnungskräften verbreitet die unter anderem in Zürich erscheinende kosovo-albanische Zeitung «Bota Sot» antimazedonische Hetzparolen. Die Zeitung schreckt dabei, so sagen Beobachter, auch nicht vor schlimmsten rassistischen Äusserungen zurück.
Jetzt hat die Bundespolizei reagiert. Urs von Däniken, Chef des Dienstes für Analyse und Prävention im Bundesamt für Polizei (BAP), hat gestern Nachmittag bei der Staatsanwaltschaft Zürich Anzeige wegen Verletzung der Antirassismusstrafnorm eingereicht.
Dies bestätigte Viktor Schlumpf, Informationschef im Justiz und Polizeidepartement. «Es gibt genügend Anhaltspunkte, dass Verstösse gegen die Strafnorm vorliegen könnten», erklärte BAP-Sprecherin Danièle Bersier dazu und meinte: «Wir wollen, dass ein Gericht die Sache prüft.» Das sei der einzige Weg, gegen die Zeitung vorzugehen.

  • Untätige Behörden

Allerdings hat es eine ganze Weile gedauert und viel öffentlichen Druck gebraucht, bis die Behörden Handlungsbedarf sahen. Noch am Mittwochabend hatte Jürg Bühler vom BAP in der Sendung «Rundschau» erklärt, die Aussagen in «Bota Sot» gäben zwar zu Besorgnis Anlass, man könne aber nicht eingreifen. Und gestern Mittag war BAP-Sprecherin Bersier nach wie vor überzeugt: «Eine Anzeige wegen rassistischen Äusserungen ist zwar möglich, aber im BAP hält man das nicht für den richtigen Weg, um gegen <Bota Sot> und die hetzerischen Parolen vorzugehen.» Die Zürcher Bezirksanwaltschaft erklärte ihrerseits, es liege keine Anzeige wegen Rassendiskriminierung vor, und von sich aus werde man nicht intervenieren.

  • Metzler griff ein

Zu Interventionen kam es aber im Bundesamt für Polizei. Dort wurde die Eidgenössische Kommission für Rassismus vorstellig und verlangte Auskunft darüber, warum die Bundespolizei nichts unternehme gegen die offensichtlich rassistische Hetzkampagne.
Und eingegriffen hat auch Justizministerin Ruth Metzler. Sie verlangte vom BAP Auskunft über die Tätigkeit der Zeitung und Möglichkeiten, gegen diese vorzugehen. «Ein normaler Vorgang, um sich Informationen zu beschaffen», sagt Viktor Schlumpf. Am Ende hielt man es jedenfalls für politisch opportun, juristisch gegen die Zeitung vorzugehen. Dies obwohl, so BAP-Sprecherin Bersier, die Überwachung der Rassismusstrafnorm nicht zum Aufgabenbereich des Bundesamts für Polizei gehöre.
Für die Kommission gegen Rassismus ist die Sache klar und eine Verletzung der Antirassismusstrafnorm gegeben, wie Sekretariatsleiterin Doris Angst erklärte. Die Redaktion der Zeitung weist zwar alle Vorwürfe von Rassismus und Kriegstreiberei als tendenziös und unwahr zurück.
Die Artikel von «Bota Sot» sprechen aber eine andere Sprache: Am 23. März wurden dort Serben mit dem Schimpfwort als Shkije bezeichnet und in kruden und diskriminierenden Worten Rassentrennung gepredigt: Auch wenn man Albaner mit Serben während Jahrhunderten im selben Topf koche, hiess es, würde sich deren Fleisch und Blut nie mit dem der Serben mischen. In der «Rundschau» bezeichnete «Bota Sot»-Herausgeber Xhevdet Mazrekaj Mazedonier ohne Umschweife als «Barbaren».

 

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