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Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 16. März 2001, Nr.63, Seite 1Hasstiraden von Extremisten in Pristina
awy. Pristina, 15. März Die drei wichtigsten Parteien in Kosovo haben sich von der «neuen
UCK», der Nationalen Befreiungsarmee in Mazedonien, distanziert. Gleichwohl erhält
diese Schützenhilfe aus Kosovo, vermutlich mit Kämpfern und Waffen, zumindest
aber in Form ideologischer Tiraden. Die kann man in der Zeitung «Bota Sot»
nachlesen, die in Pristina erscheint. Dieses Hetzblatt mit unverhüllt
rassistischer Tendenz ist das wichtigste Sprachrohr der albanischen Extremisten.
Es gab kürzlich die folgende Parole aus, die einem UCK-Mitglied im
mazedonischen Bergdorf Tanusevci in den Mund gelegt wurde: «Diese Nation» -
gemeint sind die Albaner in Kosovo und Nachbargebieten - «muss vom
slawisch-orthodoxen Joch befreit werden.» Die slawische Kultur und ihr
hegemonistischer Nationalismus werden gegeisselt. Der Kampf gegen sie soll
offenbar mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf die Kosten geführt werden.
Mit Bedauern wird angemerkt, dass Europa noch nicht bereit sei, sich daran zu
beteiligen. Eine Kolumne schilderte die Lage der Albaner in Mazedonien in
allerdüstersten Farben. Sie seien eine «verbotene Nation», denn sie seien
nicht als staatsbildendes Volk anerkannt. Ihre Sprache und ihre Identität würden
nicht offiziell anerkannt, in Erziehung und Kultur seien sie unterdrückt. Dass
die Emanzipation der Albaner in Mazedonien über die letzten Jahre stetige
Fortschritte gemacht hat, wenn auch enervierend langsame, nehmen die
nationalistischen Eiferer überhaupt nicht zur Kenntnis; ein paar unwichtige
Ministerien mit albanischen Ministern in der Regierung von Skopje bedeuteten
rein gar nichts, wird in wegwerfendem Tonfall beschieden. Die Albaner in
Mazedonien würden von einer Gruppe von «Bastarden und Parasiten ohne Identität»
unterdrückt, steht zu lesen. Gemeint sind die ethnischen Mazedonier. Der üble
Satz stellt nicht nur den Charakter, sondern auch die Identität und somit die
Existenz und das Existenzrecht eines ganzen Volkes in Frage. Er besagt einiges
über das intellektuelle Format derjenigen, die so schreiben. Heftige Tiraden richtet «Bota Sot» auch gegen diejenigen
albanischen Politiker und Publizisten in Kosovo, die den Kampf der albanischen
Extremisten in Mazedonien nicht unterstützen oder ablehnen. Zunächst werden
die Gemässigten der Undankbarkeit bezichtigt: Sie hätten offenbar vergessen,
dass sie als Flüchtlinge von den Albanern in Mazedonien aufgenommen worden
seien. Dann werden sie geradezu als Verräter gebrandmarkt: Sie suchten ihre
Zukunft in ihrer gemeinsamen Vergangenheit mit denjenigen, welche die Albaner
massakrierten. Und sie beleidigten die besten Söhne des Volkes, die in den
Reihen der Befreiungsarmee für die Verteidigung albanischen Landes kämpften.
Dass die Albaner Mazedoniens selbst den bewaffneten Kampf wünschen, steht für
die Ideologen des Blattes in Pristina selbstredend ausser Zweifel. |
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