Back home

Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Sonntagszeitung, 1. April 2001:

«Ich bin kein Kriegstreiber»

Xhevdet Mazrekaj, Herausgeber der nationalistischen «Bota Sot», über sein publizistisches Verständnis

Xhevdet Mazrekaj ist Herausgeber der grössten kosovo-albanischen Tageszeitung «Bota Sot» (Welt heute) mit Redaktionssitz am Zürcher Bahnhofplatz. Das Bundesamt für Polizei hat «Bota Sot» vergangene Woche wegen Verstosses gegen die Antirassismus-Strafnorm angezeigt, weil sie Hetzparolen verbreite - früher gegen Serbien, heute gegen Mazedonien.

Herr Mazrekaj, Sie bezeichneten Mazedonier in der «Rundschau» als Barbaren. In den Augen der Schweizer Behörden ist diese Äusserung rassistisch.

Xhevdet Mazrekaj: Die Übersetzung am Fernsehen war schlecht. Ich sagte, dass das slawische Volk eine barbarische Vergangenheit hat und dass Mazedonien bis zum Zweiten Weltkrieg nicht existierte. Heute leben dort 50 Prozent Albaner.

Das Bundesamt für Polizei bezeichnet «Bota Sot» als einseitiges und aufwieglerisches Medium, das die Interessen extremistischer Albanerkreise vertritt. Sind Sie ein Kriegstreiber?

Mazrekaj: Auf keinen Fall. Gegen uns wird eine Kampagne geführt, die ihren Ursprung im Kosovo hat. Wir gehören keiner Partei an, haben aber immer die pazifistische Politik von Ibrahim Rugova unterstützt. Das wurde uns des öfteren übel genommen. Wir wurden deswegen auch bedroht. Wir waren immer gegen Gewalt.

Gegen Gewalt? Sie erzählen Märchen.

Mazrekaj: Natürlich gegen die Gewalt der Serben, wie sie auf das albanische Volk ausgeübt wurde. Die Albaner haben sich lediglich zur Wehr gesetzt.

Die Organisation über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat gegen «Bota Sot» mehrmals interveniert - wegen Verletzung der journalistischen Ethik. Der Vorwurf der Hetze scheint doch nicht aus der Luft gegriffen zu sein.

Mazrekaj: Wir verbreiten keine Hetze. Vom selben Vorwurf, den uns die OSZE machte, sind wir vor Gericht freigesprochen worden. Die Leser glauben uns, sonst wären wir nicht zur grössten Zeitung im Kosovo gewachsen. Aber wir wurden von den Behörden während des Milosevic-Regimes nicht akzeptiert, und wir werden es auch jetzt nicht.

Wird sich Ihre Zeitung gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen?

Mazrekaj: Wir glauben an den Schweizer Rechtsstaat. Die Medien haben ein einseitiges Bild von uns verbreitet - selbst die NZZ, die ich für eine sehr seriöse Zeitung ansehe. Viele kennen den Inhalt unseres Blattes nicht. Am Schluss wird das Gericht feststellen, dass die Vorwürfe haltlos waren. Was ist mit den serbischen Zeitungen, die in der Schweiz verkauft werden und dazu aufriefen, allen Albanern die Kehle durchzuschneiden?

Ziehen Sie in Betracht, die Redaktion in Zürich aufzugeben?

Mazrekaj: Nein. Ich lebe seit zwölf Jahren hier. Ich bin Vater dreier Kinder, die das Schweizer Bürgerrecht besitzen. Ich habe in der ganzen Zeit nie Probleme gehabt. 

Interview: Simon Hubacher 

Schweiz als Hinterland des albanischen Widerstands

Die Schweiz spielt in der Unterstützung des kosovo-albanischen Widerstands erneut eine grosse Rolle. Bereits vor drei Jahren war sie die Drehscheibe für den Befreiungskampf der UCK. Junge Albaner zogen aus der Schweiz los, um im Kosovo zu kämpfen. Die Behörden deckten Waffenschmuggel auf und sperrten Konten. Jetzt kommen die alten Unterstützungsstrukturen wieder zum Tragen, dieses Mal für die in Mazedonien lebenden Albaner. In den letzten Monaten stellte der Dienst für Prävention und Analyse, die frühere Bundespolizei, unter den Exil-Albanern «eine zunehmende Radikalisierung» fest. Seit den Kämpfen an der Grenze Mazedoniens hat auch die Spendentätigkeit wieder stark zugenommen. Jürg Bühler vom Bundesamt für Polizei bestätigt: «Es sind neue Sammelzentren entstanden.» Eine zentrale Rolle im Schweiz Netzwerk spielt die Albaner-Gruppierung LPK. Sie wird vom in Emmenbrücke lebenden Ex-Uniprofessor Fazli Veliu geführt. Sie gilt als ein politischer Arm der wieder aktiv gewordenen Befreiungsarmee UCK.
Die LPK war bereits 1998 auf die Beobachtungsliste der Bundespolizei gesetzt worden. Veliu musste mehrmals zu ausführlichen Befragungen nach Bern reisen

 


 

on MHxJU

News & Updates

Partners & Projects

Media- Monitoring

Mailinglist

suchen / search

go to top

P.O. Box, CH-8031 Zürich, Switzerland
Phone +41-1-272 46 37,  Fax +41-1-272 46 82, email: info@MEDIENHILFE.ch