Herr
Mazrekaj, Sie bezeichneten Mazedonier in der «Rundschau» als Barbaren.
In den Augen der Schweizer Behörden ist diese Äusserung rassistisch.
Xhevdet Mazrekaj: Die Übersetzung am Fernsehen war schlecht. Ich sagte,
dass das slawische Volk eine barbarische Vergangenheit hat und dass
Mazedonien bis zum Zweiten Weltkrieg nicht existierte. Heute leben dort 50
Prozent Albaner.
Das Bundesamt für Polizei bezeichnet «Bota Sot» als einseitiges und
aufwieglerisches Medium, das die Interessen extremistischer Albanerkreise
vertritt. Sind Sie ein Kriegstreiber?
Mazrekaj: Auf keinen Fall. Gegen uns wird eine Kampagne geführt, die
ihren Ursprung im Kosovo hat. Wir gehören keiner Partei an, haben aber
immer die pazifistische Politik von Ibrahim Rugova unterstützt. Das wurde
uns des öfteren übel genommen. Wir wurden deswegen auch bedroht. Wir
waren immer gegen Gewalt.
Gegen Gewalt? Sie erzählen Märchen.
Mazrekaj: Natürlich gegen die Gewalt der Serben, wie sie auf das
albanische Volk ausgeübt wurde. Die Albaner haben sich lediglich zur Wehr
gesetzt.
Die Organisation über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
hat gegen «Bota Sot» mehrmals interveniert - wegen Verletzung der
journalistischen Ethik. Der Vorwurf der Hetze scheint doch nicht aus der
Luft gegriffen zu sein.
Mazrekaj: Wir verbreiten keine Hetze. Vom selben Vorwurf, den uns die OSZE
machte, sind wir vor Gericht freigesprochen worden. Die Leser glauben uns,
sonst wären wir nicht zur grössten Zeitung im Kosovo gewachsen. Aber wir
wurden von den Behörden während des Milosevic-Regimes nicht akzeptiert,
und wir werden es auch jetzt nicht.
Wird sich Ihre Zeitung gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen?
Mazrekaj: Wir glauben an den Schweizer Rechtsstaat. Die Medien haben ein
einseitiges Bild von uns verbreitet - selbst die NZZ, die ich für eine
sehr seriöse Zeitung ansehe. Viele kennen den Inhalt unseres Blattes
nicht. Am Schluss wird das Gericht feststellen, dass die Vorwürfe haltlos
waren. Was ist mit den serbischen Zeitungen, die in der Schweiz verkauft
werden und dazu aufriefen, allen Albanern die Kehle durchzuschneiden?
Ziehen Sie in Betracht, die Redaktion in Zürich aufzugeben?
Mazrekaj: Nein. Ich lebe seit zwölf Jahren hier. Ich bin Vater dreier
Kinder, die das Schweizer Bürgerrecht besitzen. Ich habe in der ganzen
Zeit nie Probleme gehabt.
Interview:
Simon Hubacher |
Schweiz als Hinterland des albanischen Widerstands
Die Schweiz spielt in der Unterstützung des
kosovo-albanischen Widerstands erneut eine grosse Rolle. Bereits vor drei
Jahren war sie die Drehscheibe für den Befreiungskampf der UCK. Junge
Albaner zogen aus der Schweiz los, um im Kosovo zu kämpfen. Die Behörden
deckten Waffenschmuggel auf und sperrten Konten. Jetzt kommen die alten
Unterstützungsstrukturen wieder zum Tragen, dieses Mal für die in
Mazedonien lebenden Albaner. In den letzten Monaten stellte der Dienst für
Prävention und Analyse, die frühere Bundespolizei, unter den
Exil-Albanern «eine zunehmende Radikalisierung» fest. Seit den Kämpfen
an der Grenze Mazedoniens hat auch die Spendentätigkeit wieder stark
zugenommen. Jürg Bühler vom Bundesamt für Polizei bestätigt: «Es sind
neue Sammelzentren entstanden.» Eine zentrale Rolle im Schweiz Netzwerk
spielt die Albaner-Gruppierung LPK. Sie wird vom in Emmenbrücke lebenden
Ex-Uniprofessor Fazli Veliu geführt. Sie gilt als ein politischer Arm der
wieder aktiv gewordenen Befreiungsarmee UCK.
Die LPK war bereits 1998 auf die Beobachtungsliste der Bundespolizei
gesetzt worden. Veliu musste mehrmals zu ausführlichen Befragungen nach
Bern reisen
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