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BZ-Zeitpunkt (Berner Zeitung, Samstag, 28. April 2001)
Hinterland. Die Reaktionen in der Schweiz
Der Fall «Bota Sot» hat das Dilemma der Schweiz in ihrer Rolle als
wichtiges Hinterland der albanischen Siedlungsgebiete in Kosovo und Mazedonien
(siehe Haupttext) aufgezeigt. Die albanische Tageszeitung, die 1995 in Zürich
gegründet wurde, fährt einen pointiert chauvinistischen Kurs. Gemäss
verschiedenen Experten verunglimpft sie Serben mit rassistischen Bezeichnungen
und streut den Verdacht, die internationale Gemeinschaft arbeite im heutigen
UNO-Protektorat Kosovo serbischen Interessen zu. Damit nährt die Zeitung
nationalistische albanische Reflexe, die auch dazu dienen, die Offensiven der
albanischen UCK-Guerilla in Mazedonien und Südserbien zu rechtfertigen.
Ende März hat das Bundesamt für Polizei (BAP) reagiert und bei der
Staatsanwaltschaft Zürich Anzeige wegen Verletzung der Antirassismusstrafnorm
eingereicht.
Nach Ansicht von Roland Brunner, Geschäftsführer der «Medienhilfe
Ex-Jugoslawien», habe die Schweiz ihre Verantwortung in diesem Fall nicht
wahrgenommen. Bundesrätin Ruth Metzler sei bereits bei ihrem Besuch in Kosovo
vor über einem Jahr offiziell aufgefordert worden, der nationalistischen Hetze
von «Bota Sot» ein Ende zu setzen. Nach internen Abklärungen sei nichts
unternommen worden. Erst der jüngste politische Druck habe etwas bewirkt.
Das Beispiel «Bota Sot» wirft die Verantwortungsfrage in breiterem Kontext
auf: In der Schweiz sitzen politische Köpfe der militanten UCK-Rebellen, in der
albanischen Diaspora in der Schweiz werden Zehntausende von Franken gesammelt,
die dafür verwendet werden, demokratische Staaten wie Mazedonien mit Militäraktionen
zu destabilisieren. Wie reagiert die Schweiz?
Beweisprobleme
«Beweisen Sie einmal, dass eine unter humanitärem Deckmantel durchgeführte
Spendenaktion unter Albanern in der Schweiz am Ende für den Ankauf von
Kriegsmaterial verwendet wird», sagt BAP-Sprecherin Danièle Bersier. Einfach
auf Grund von Vermutungen könnten die schweizerischen Behörden keine
Bankkonten sperren lassen.
Auf Anfrage dieser Zeitung weist der Dienst für Analyse und Prävention des BAP
unter anderem darauf hin, dass «die Schweiz nach unserer Kenntnis das einzige
Land in Europa war, das im Kosovo-Konflikt mit Strafverfahren energisch gegen
albanische Waffenbeschaffer vorgegangen» sei. Handlungsanleitend für die
schweizerischen Behörden sind zwei Fragen: Drohen im Innern
Auseinandersetzungen zwischen Konfliktparteien oder ist die äussere Sicherheit
gefährdet. Beides ist im Moment nicht der Fall.
Zusätzliche Massnahmen gegen ausländische Organisationen - etwa Propaganda-,
Organisations- oder Sammelverbote - bedürften politischer Entscheide und seien
im Bereich der Grundrechte problematisch. Trotzdem ist denkbar, das die
politische Debatte darüber kommen wird. Da die Schweiz eventuell künftig
internationalen Konventionen zur Bekämpfung des Terrorismus beitrete, würden
diese Fragen allenfalls «vertieft überprüft», heisst es im BAP.
Anderes Hinterland
Die einseitige Betrachtung des «Albaner-Problems» aus polizeilicher Sicht löst
auch Kritik aus. Die Schweiz könnte ihre Rolle als rückwärtige Basis des
Kosovo auch anders wahrnehmen, sagt Roland Brunner, Geschäftsführer der «Medienhilfe
Ex-Jugoslawien». Die Schweiz sollte vermehrt «mit nicht nationalistischen Kräften
den Kontakt suchen und gemeinsam gegen radikale Agitatoren vorgehen».
Schliesslich, erinnert er, «leben ja nicht nur nationalistisch verhetzte
Albaner in der Schweiz», und es würden in der Schweiz auch andere
Publikationen vertrieben. jsz
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