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Die Schweiz als Hinterland des KriegesAlbanische Medienhetze und Manipulation aus Zürcher Redaktionsräumen
Seit der Lancierung 1995 gilt die in Zürich verlegte albanisch-sprachige
Tageszeitung „Bota Sot“ (Welt heute) als Hetzblatt des albanischen
Nationalismus. Dient die Schweiz als journalistisches Hinterland der ethnischen
Kriegshetze?
Von Roland Brunner, Geschäftsführer der Medienhilfe
Ex-Jugoslawien* Gegründet wurde „Bota Sot“ im Juni 1995 von Xhevet
Mezrakaj, der seit fast 20 Jahre in der Schweiz lebt und heute noch als
Herausgeber zeichnet. Die finanziellen Hintergründe der Zeitung sind alles
andere als transparent. Die Vermutung, dass Behgjet Pacolli, als
Mabatex-Inhaber wegen dubiosen Geschäften mit Russland in Verruf gekommen,
hinter der Zeitung steht, konnten nie widerlegt werden. Gedruckt wird die
Zeitung in Frankfurt und in Pristina, vertrieben wird sie in ganz Europa und im
Kosovo, wo sie heute die auflagenstärkste Publikation ist. Die Zeitung wird
politisch der Demokratischen Liga des Kosovo LDK von Ibrahim Rugova zugeordnet,
gilt aber gemäss internationalen Beobachtern als nationalistisches Hetzblatt.
Gemäss „Bota Sot“ haben „ausnahmslos alle Serben,
die heute in den Enklaven des Kosovo leben, ihre Hände mit dem Blut albanischer
Kinder besudelt“ (7.2.2000) Serben werden selten als solche bezeichnet,
sondern meist mit dem Schimpfwort „Shkije“ tituliert. Der Begriff, das
albanische Pendent zum serbischen Schimpfwort „Shiptar“ für Albaner,
entspricht etwa der Bezeichnung „Tschinggen“ für Italiener in der Schweiz
– nur dass „Shkije“ sich auf jeder „Bota Sot“-Seite gleich mehrmals
findet. Gegenüber dem „Tages-Anzeiger“ verteidig Herausgeber Mazrekaj dies
so: „Sthkije bedeutet so etwas wie ‚Barbaren’. Der Ausdruck hat sich vor
1300 Jahren eingebürgert, die Albaner hatten damals schon ihre alten
Traditionen, die Serben indes waren ein ungehobeltes Volk. Seither nennen wir
sie ‚Shkije’, daran kann ich nichts ändern, die nennen uns schliesslich
auch ‚Shiptari’.“ (TA 2.8.2000) Die „Washington Post“ definiert „Bota Sot“ so:
„Die Leser betreten auf den Seiten dieser Zeitung eine philosophisch
engstirnige Welt voll von Hass. Hier ist jeder Serbe ein Dämon, das Konzept
ethnischer Toleranz gilt als sicherer Weg zu erneuerter Unterdrückung durch
Belgrad, und die internationalen Vertreter im Kosovo sind Teil einer Verschwörung
gegen die ethnischen Albaner.“ (R.
Jeffrey Smith, Washington Post, 3. April 2000) Auf die Hasstiraden
angesprochen, erklärt der damalige Chefredaktor Teki Dervishi im
gleichen Artikel: „Hass ist eine sehr subjektive Kategorie... Der Hass
entsteht nicht durch einen Artikel, sondern durch die historische Erfahrung der
serbisch-albanischen Beziehungen.“
Laut „Bota Sot“ wird der Kosovo heute beherrscht von „Kommunisten und anderen Perversen“. Dazu rechnet die Zeitung Vertreter der internationalen Gemeinschaft, die Vertreter der Minderheit und diejenigen Albaner, die sich mit dem rigiden Nationalismus nicht identifizieren können. Ziel der Allianz zwischen Serben und internationaler Gemeinschaft ist laut „Bota Sot“ die Unterdrückung albanischer Interessen. In jeder Ausgabe zelebriert die Zeitung Verschwörungstheorien gegen die albanische Sache. Die Osze-Schule KPS beispielsweise, an der Polizisten für den Kosovo ausgebildet werden, gilt „Bota Sot“ als anti-albanische Institution. Die Zeitung beklagt sich über die Minderheiten-Quoten und über die Zahl weiblicher Polizisten in Ausbildung: „Es scheint so, dass das ‚schwache Geschlecht’ und Angehörige von Minderheiten alle Kriterien zur Teilnahme in der KPS erfüllen. Diese Zahlen werden um so absurder, wenn wir uns erinnern, dass 90% der Bevölkerung im Kosovo Albaner sind und nur 10% anderer ethnischer Herkunft.“ (26.2.2001) Seit Veton Surroi, bekannter unabhängiger
Intellektueller und Herausgeber der Tageszeitung „Koha Ditore“, im August
1999 vor der Gefahr eines „albanischen Faschismus“ warnte, avancierten „Koha
Ditore“ und seine Mitarbeiter zu den meistgehassten Feinden auf albanischer
Seite. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich in „Bota Sot“ nicht ein Artikel
finden lässt, der Veton Surroi und sein Team als „Serbenfreunde“,
„serbische Agenten“, „serbophilen Abschaum“ usw. bezeichnet.
Im Dezember 2000 wurde „Bota Sot“ wegen massiver Verstösse gegen UN-Regelungen und gegen den Berufscode für Journalisten im Kosovo zu einer Busse von 45'000 DM verurteilt. Die Zeitung denunzierte in den Ausgaben vom 4. und 11. September 2000 Albaner als Kollaborateure mit der serbischen Seite – mit Angabe von Namen und Bild. Den Vorwurf, die so denunzierten Personen mit der Veröffentlichung zu gefährden, kontert „Bota Sot“ so: Die Zeitung wäre nur schuldig, wenn die entsprechenden Leute tatsächlich umgebracht worden wären. Da dies nicht geschehen sei, könne man auch nicht von einer Gefährdung des Lebens dieser Leute sprechen... Simon Haselock, als „Temporary Media Commissioner“
(TMC) Osze-Verantwortlicher für die Medien im Kosovo, steht seit den
Verurteilungen unter ständigem Beschuss. In Leserbriefen ohne Namensangabe wird
er als „Zentrum zur Produktion von Lügen“ „gegen die nationalen
Interessen der Kosovaren“ bezeichnet. „Bota Sot“-Kolumnist Sylejman
Aliu klagt die internationale Gemeinschaft an, sie betreibe eine Zensur wie
vorher das serbische Regime und fördere Gewalt und Verbrechen im Kosovo
(26.2.2001). „Bota Sot“ sei das Ziel gezielter politischer Repression und
Opfer einer Verschwörung gegen unabhängiges Medienschaffen.
Seit im März dieses Jahres der ethnische Konflikt zwischen albanisch-mazedonischer und slawisch-mazedonischer Bevölkerung in Mazedonien zum bewaffnet ausgetragenen Kleinkrieg eskaliert, hat „Bota Sot“ den nationalen Befreiungskampf der mazedonischen Albaner auf ihre Zeitungsseiten geschrieben. Zuerst verleugnet Mero Baze die Existenz einer albanischen Guerilla in Mazedonien kategorisch und bezeichnet sie als Manöver der mazedonischen Regierung: Der „Falschalarm“ aus Skopje diene dazu, „die Gewalt gegen Albaner zu rechtfertigen“. (5.2.2001) Noch am 8. März behauptet das Editorial, die Amerikaner wüssten sehr wohl, dass die Gewalt entlang der Grenze zum Kosovo nicht von Albanern, sondern von Mazedoniern in Zusammenarbeit mit Griechen, Serben und anderen „Shkije“ ausgehe. Der Krieg wird aber in der gleichen Ausgabe als „heiliger Befreiungskrieg“ bezeichnet. Eine Woche später ist in der Zeitung zu lesen, die Nationale Befreiungsbewegung NLA spiele eine konstruktive Rolle, weil sie Menschenrechte gemäss internationalen Standards einfordere. Rexhep Kastrati fordert: „Starke politische Unterstützung sollte dieser militärischen Einheit gegeben werden und die Kampagne gegen sie in Mazedonien und Kosovo sollte eingestellt werden.“ (13.3.2001) Zehn Tage später, als die internationale Gemeinschaft den albanischen Terrorismus verurteilt und Mazedonien Unterstützung zugesagt hat, heisst es im Editorial von „Bota Sot“: „Der internationalen Gemeinschaft, die zusammen mit den Russen, Serben, Griechen und Bulgaren beschlossen hat, den Slawen Waffen, Spione und Geld zu schicken, können wir nur eines sagen: Nicht Waffen, nicht Spione, nicht Geld, sondern Gehirn sollen sie denen geben, wenn sie selber welches haben.“ Schon am 9- März bezeichnete „Bota Sot“-Kolumnistin Elida Bucpapaj die europäischen Minister als „Chor von Fröschen“. „Bota Sot“ erklärt – unter Berufung auf „mächtige Institutionen in der Welt, vor allem in den USA“ – die Albaner zur Mehrheit, die Slawen zur Minderheit Mazedoniens und meint: „Unerwartet und wie von Gott geschickt erschien die UÇK, die Nationale Befreiungsarmee, die entgegen allen Erwartungen zahlreich und eine militärisch starke Kraft ist.“ (23.3.2001, S. 4, Skender Bucpapaj). Zwei Seiten weiter hinten hält Rexhep Kastrati fest: „Während die Albaner einen Waffenstillstand anbieten, betreiben die Slawo-Orthodoxen unter Führung Russlands die Diskriminierung der Albaner.“ Dass 200 uniformierte und bewaffnete Kämpfer aus dem Kosovo nach Mazedonien eingedrungen seien, bezeichnet die Zeitung als „schizophrene Halluzination“ der mazedonischen Regierung. Im national-albanischen Befreiungskampf ist der Zeitung
jedes Mittel recht: Am 22. März erschiesst die mazedonische Polizei in Tetovo
zwei Albaner, die einen Anschlag auf die lokale Polizei ausführen wollen. Das
Bild der Agentur Reuters zeigt die erschossenen Attentäter und die am
Boden liegende Handgranate. Auf der Titelseite der Kosovo-Ausgabe von „Bota
Sot“ erscheint am 23. März dieses Bild – ohne Handgranate. Die
Bildmanipulation und der Text drehen die Realität um: Unschuldige Albaner
wurden von „mazedonischen kriminellen Polizeikräften“ „auf äusserst
barbarische Weise exekutiert“ (S. 1, 3, 6). Zudem erklärt die Zeitung am 24.
März (S. 6, Shefki Ukaj), es habe sich sowieso nicht um eine Handgranate
gehandelt, sondern um ein Mobiltelefon... Vom TMC wird „Bota Sot“ umgehend
erneut mit einer Busse von 50'000 DM belegt und auch Reuters erhebt
Anklage gegen die Zeitung. Es ist allerdings fraglich, ob dies „Bota Sot“
stoppen wird.
Bei ihrem Besuch im Kosovo wurde die Schweizer Justizministerin Ruth Metzler Ende 1999 von Osze-Chef Daan Everts offen aufgefordert, Massnahmen gegen „Bota Sot“ einzuleiten. Die Schweiz erlaubt der in Zürich domizilierten Zeitung, von der sicheren Demokratie aus den Kosovo und die albansisch-sprachige Diaspora mit Kriegshetze und ethnischem Chauvinismus zu verseuchen. Auch wenn die Zeitung in Deutschland gedruckt wird und sich
die Probleme vor allem im Kosovo stellen, kann sich die Schweiz nicht um ihre
Verantwortung drücken. Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien, die seit zehn Jahren
professionellen und unabhängigen Journalismus in allen Teilen des ehemaligen
Jugoslawien unterstützt, hofft darauf, dass die Schweiz „Bota Sot“ zur
Verantwortung ziehen wird. Denkbar wäre zum Beispiel eine Anklage wegen
Verstosses gegen das Antirassismus-Gesetz. Es geht dabei nicht darum, die
Pressefreiheit einzuschränken, sondern massivste Verstösse gegen berufliche
Ethik und journalistischen Professionalismus zu thematisieren, die Anwendung der
gesetzlichen Bestimmungen durchzusetzen – und die Verantwortung der Schweiz für
den Aufbau von Toleranz und Frieden wahrzunehmen. * geschrieben für die Medien-Fachzeitschrift
KLARTEXT. Kasten: „Bota Sot“ vom 23.03.2001, Editorial Seite 2, zum Besuch des russischen Aussenministers Ivanov in Pristina, nicht gezeichnet: Ivanov in Tirana angebrannt
Der
russische Leiter der Shkije-Diplomatie sah sich mit dem Hass der Albaner
konfrontiert. Mit albanischen und amerikanischen Fahnen in den Händen gingen
Gruppen von Albanern auf die Strassen und versammelten sich auf dem
Skanderbeg-Platz, um gegen den russischen und Shkija-Revanschismus zu
protestieren. Die Albaner äusserten ihren nationalen Hass gegen die Russen und
deren gross-serbische, gross-griechische, gross-bulgarische und
gross-sowjetische Alliierte, indem sie das Bild von Ivanov in Brand setzten, während
sie in ihren Händen albanische Flaggen hielten und gegen die Shkije, Neo-Shkije
und Kripto-Shkije der Achse Moskau-Belgrad-Athen-Sofia-Skopje Parolen riefen.
Ivanov wurde gezwungen, auf Umwegen zum Flughafen Rinas von Tirana zu gelangen.
Damit bewahrheitet sich die Grundwahrheit unserer Vorfahren, das von Generation
zu Generation weitergegeben wird: Die Albaner können mit den Shkije weder
Fleisch noch Blut mischen. Selbst wenn man Albaner mit Shkije im selben Topf während
Jahrhunderten und nicht nur Tagen kocht, werden weder unser Fleisch noch Blut
mit demjenigen der Shkije zusammenwachsen oder sich vermischen. Dieser Grundsatz
ist unwiderlegbar, er ist die Philosophie unserer Welt. |
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