Artikel/Kasten von Nena Skopljanac,
Politologin / Medienwissenschaftlerin, Medienhilfe Ex-Jugoslawien, veröffentlicht in:
FriZ, Friedenszeitung, August 1998
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Kein Krieg weit und breit
Gemäss dem offiziellen Radio und Fernsehen Serbiens (RTS) gibt es
keinen Krieg in Kosov@. Das Leben verlaufe dort ganz normal und nur in einigen Gebieten
gäbe es einen Kampf gegen die Angriffe von "Terroristen". Jeden Abend zeigt man
dem serbischen Publikum Bilder von Menschen, die völlig frei in Pristina herumspazieren,
Bilder von vollen Geschäften und Restaurants, fröhliche Kinder auf Spielplätzen...
Welch ein Kontrast zu den Bildern zerstörter Dörfer, brennender Häuser, toter Tiere.
Dazu die Untertitel auf serbisch und albanisch: "So sieht es aus, wo die Terroristen
sind." Kein Wort über die albanischen ZivilistInnen, die getötet, verhaftet,
gefoltert, als Geiseln entführt oder zur Flucht gezwungen wurden.
Auf der anderen Seite beschreibt das Kosova Informationszentrum die
Bewegungen serbischer Polizeitruppen, deren Anzahl und Waffenstärke. Hier ist es nie die
"Befreiungsarmee Kosovo" (UCK), welche attackiert, denn sie verteidige nur die
Dörfer und die Menschen; ihre Verluste werden nie genau beziffert, ihre Erfolge werden
Übertrieben. Hier sind es die getöteten, vertriebenen, entführten serbischen
ZivilistInnen, die nicht erwähnt werden.
Wir sind erneut ZeugInnen eines wahren Medienkriegs: Ein Krieg zwischen
den Medien unter Kontrolle des Milosevics Regimes und den Medien der kosov@-albanischen
Führung im Untergrund. Beide Seiten Kämpfen mit Manipulation und Propaganda: sie
ignorieren Tatsachen, die nicht ihre jeweiligen Ziele unterstätzen; sie verheimlichen
Fakten, welche die eigene Position schwächen könnten; sie greifen stets die andere Seite
an und rechtfertigen immer die eigene; sie benützen abwertende Begriffe für die anderen,
verwenden Stereoptypen etc. etc. Solche Medienberichterstattung verbreitet eine enorme
Kriegspsychose, indem ängste geweckt und verstärkt werden, Unsicherheit und Verwirrung
sind beabsichtigt. Sie homogenisiert die ethnischen Gruppen hinter den radikalen
politischen Zielen und produziert schliesslich Hass und die Bereitschaft für die
"eigene" Sache zu kämpfen.
Früher oder später wird es zu politischen Verhandlungen kommen
müssen, um die Probleme anzugehen. Dieser dialog braucht aber eine breite Unterstützung
und Präsenz in den Medien, um fruchtbar und erfolglich sein zu können. Nebst einer
professionellen Sachberichterstattung ist ein engagierter Journalismus vonnöten, der die
Werte der Demokratie, der Zivilgesellschaft, der Menschenrechte des Verständnisses und
der Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen verbreitet. Die Ideen und
Vorschläge all der sozialen und politischen Gruppen, welche für eine friedliche Lösung
des Konfliktes arbeiten, müssen endlich ans Licht gelangen.
Die Medienhilfe Ex-Jugoslawien hat lokale PartnerInnen, welche diese
Ziele verfolgen. Das "Medien-Projekt-Pristina" - ein Frauenprojekt - produziert
Fernsehsendungen, die dem serbischen Publikum die Alltagsprobleme der Kosov@-AlbanerInnen
zeigen. Das grösste unabhängige Medienprojekt in albanischer Sprache, die Tageszeitung
"Koha Ditore" plant eine unabhängiges Fernsehzentrum in Pristina. "Radio
Contact", welches von einer ethnisch gemischten Gruppe junger Leute aus Pristina gegründet
wurde, will bald auf serbisch und albanisch auf Sendung gehen. Und "ANEM TV Network",
ein Zusammenschluss 17 unabhängiger TV Stationen in Serbien und Montenegro, plant zwei
grosse Dokumentarfilme über die Menschenrechtsverletzungen in Kosov@.
Diese von der Regierung bedrohten Projekte brauchen finanzielle
Unterstützung um weiterexistieren zu können. Helfen Sie mit einem Beitrag an:
Medienhilfe Ex-Jugoslawien, Postfach, 8031 Zürich; PC 80-32253-9; Vermerk: Kosovo/a.
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