|
Unterstützungsprogramm
für unabhängiges Medienschaffen in Kroatien 2001
Gemäss Aussagen bei einem Treffen im September 1999
mit Herrn Felix von Sury, DEZA/AZO, ist der Bund der Einschätzung, dass Unterstützung
für unabhängiges Medienschaffen in Kroatien nicht länger nötig sei. Als
weiterhin wünschenswerte und unterstützbare Projekte wurden regionale und
grenzüberschreitende Mediennetzwerke definiert. Entsprechend dieser Vorgabe
gehen wir in unserer Analyse nicht weiter auf spezifische Medienprobleme in
Kroatien und nötige Massnahmen im Medienbereich ein. Nach einer kurzen
Beschreibung der Mediensituation in Kroatien beschränken wir uns auf die
Eingabe von zwei Projekten, die den Kriterien entsprechen: ein regionales
Strukturprojekt (Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Mazedonien) und ein
grenzüberschreitendes Medienprojekt im Bereich Menschen- und Minderheitenrechte
(Kroatien, Bosnien-Herzegowina). I MEDIA
SITUATION
Der Tod des vorherigen Präsidenten Franjo Tudjman Ende 1999 und der Sieg
der Opposition bei den Wahlen vom 3. Januar 2000 haben die Voraussetzungen für
Demokratie und unabhängiges Medienschaffen etwas verbessert. Allerdings hat
die neue Regierungskoalition aus sechs Parteien in Bezug auf die Medien bisher
noch kaum etwas von dem realisiert, was sie im Wahlkampf versprochen hat. Zwar
wurden einige der schlimmsten Gesetzesbestimmungen ausser Kraft gesetzt, eine
damals unterzeichnete „Charta über öffentlich-rechtliches Fernsehen“ und
die Entstaatlichung des Fernsehens blieb aber bisher leider Papier. Weiterhin
unterstehen aber viele Medien direkt der Kontrolle des Staates oder werden
kontrolliert von Vertretern der jetzigen oder der vorherigen Regierung. Die drei
Programme des staatlichen Fernsehens, für 75-90% der Bevölkerung wichtigstes
Informationsmittel über dessen Umwandlung zu einer öffentlich-rechtlichen
Anstalt auch im Jahr 2000 weiter gestritten wurde, sowie die drei staatlichen
nationalen und acht regionalen Radio-Programme sind direkt unter Kontrolle
politischer Behörden, d.h. der regierenden Parteien. Sie funktionieren
weiterhin nicht im Dienste der BürgerInnen, sondern eher als direkte
Instrumente der politischen Nomenklatura. Zudem sind die meisten der 114
privaten Radiostationen in den Händen von Vertretern der vorherigen
HDZ-Regierung. Sendefrequenzen an Radio- und Fernsehstationen werden immer noch
von einer staatlichen Behörde vergeben. Das gleiche Bild bietet sich in den
Printmedien, wo der Staat de facto weiterhin das Monopol im Zeitungsvertrieb
verfügt und einige der auflagenstärksten Zeitungen kontrolliert. Auch die
Nachrichtenagentur HINA beispielsweise untersteht immer noch vollständig
staatlicher Kontrolle. Insgesamt bietet Kroatien damit das Bild eines staatlich und politisch dominierten öffentlichen Medien-Raumes, in dem die Besetzung von Kaderstellen entlang politischer und nicht professioneller Kriterien erfolgt. Zum Glück wird dieses düstere Bild doch von einigen Dutzend unabhängigen lokalen Radio- und Fernsehstationen aufgehellt. Diese unabhängigen Medien haben im Verlauf des Jahres ihre Vernetzung gestärkt. Zur Vereinigung unabhängiger Fernsehsender NUT gehören heute acht Stationen1. Der Vereinigung unabhängiger Radiostationen gehören 13 Sender an2. Dazu erscheinen einige unabhängige Pulikationen wie die Tageszeitungen Novi List und Jutarnji List, die Wochenzeitung Feral Tribune, die Zeitschriften Nacional und Globus sowie die Kulturzeitschrift Zarez oder die neu lancierte politische Wochenmagazin Fokus, das aber schon nach kurzem infolge finanzieller Probleme seinen Anspruch und seine Erscheinungsweise reduzieren musste. Während noch 1999 die politischen Hindernisse das grösste
Problem stellten, so war es im Jahr 2000 die katastrophale Wirtschaftslage, die
im Vordergrund stand. Die schlechte wirtschaftliche Lage Kroatiens, zum grössten
Teil das Erbe des alten Regimes, aber zum Teil auch der aktuellen Regierung zu
verschulden, schlägt sich auf verschiedene Weise auf die Möglichkeiten
professioneller Berichterstattung und Medienöffentlichkeit nieder. Zum ersten führt die mangelnde Kaufkraft der Leute
auch zu mangelnden Werbeeinnahmen der Medien. Viele Betriebe können sich
Werbung in Print- und elektronischen Medien nicht leisten. Die Einnahmen aus
Werbung übersteigen selten 25 Prozent des Budgets. Dies schränkt die Budgets
der Medien und damit auch direkt die Möglichkeit für hohe journalistische
Qualität direkt ein. Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Radio und
Fernsehsender versumpfen immer mehr in Billigstproduktionen wie Hunderten von
Folgen lateinamerikanischer Seifenopern oder Musikprogrammen ohne irgendwelche
Nachrichten und Informationen. Zweitens können es sich angesichts der hohen
Arbeitslosigkeit von rund 10 Prozent und der im Durchschnitt weiterhin tiefen
Monatseinkommen (Durchschnitt rund 700 Franken/Monat) viele Leute schlicht nicht
leisten, sich regelmässig Zeitungen oder Zeitschriften zu kaufen. Der
Absatzmarkt von Printerzeugnissen wird deshalb beträchtlich eingeschränkt.
Tatsächlich ist die verkaufte Auflage bei vielen Publikationen rückläufig.
Einzig die Boulevardpresse erreicht noch Auflagen, mit denen sich leben lässt,
während Nachrichtenmagazine und Qualitätsjournalismus mit diesen Auflagezahlen
schlicht nicht finanzierbar sind. Die Medien werden damit zum Opfer der
verbreiteten Armut. Einige unabhängige Printmedien mussten ihr Erscheinen
einstellen, während andere unter Kontrolle der neuen oder der alten Machthaber
seit Jahren riesige Defizite schreiben, aber aus politischen Gründen gestützt
werden (HTV, HINA, Vjesnik, Slobodna Dalmacija, Hrvatska tiskara, Tisak
u.a.). Zahlreiche Skandale über die Machenschaften von
politischen Figuren, z.B. bei der „Privatisierung“ von Vecernji list
durch eine Briefkastefirma auf den Kanarischen Inseln oder die
Geheimverbindungen zentraler HDZ-Politiker zur Kontrolle wichtiger Medien in
Kroatien beherrschen zudem das Mediengeschehen. Als Beispiel sollen hier
Schlagzeilen eines einzigen, zufällig festgelegten Tages (18.9.2000) über
Medienprobleme in Kroatien zitiert werden: „Fünf Unternehmer übernehmen die
Wochenzeitung Nedjeljna Dalmacija“, „Verleumdungsklage geht weiter: Branka
Separovic gegen Fran Pasalic“, „Bankrott auf 96.9 MHz?!“, „Wütende
Zeitung“ (Privatisierung von Slobodna Dalmacija), „Silvio Storelli droht
Marko Jurkovic, Journalist bei Dubrovacki list, zum dritten Mal mit dem Tod“,
„Radio Metkovic im Streik wegen 17 unbezahlten Löhnen“, „Finanzpolizei
bei Radio Mreznica“... Dies nur eine Auswahl der Negativ-Schlagzeilen zum
Mediengeschehen in Kroatien an einem einzigen Tag. Während 1996 auf dem kleinen Markt in Kroatien noch
1378 Zeitungen und 1622 Magazine erschienen, waren es im Jahr 2000 noch 307
Titel, wobei neben den 7 Tageszeitungen und 9 weiteren politischen Publikationen
vor allem 51 Kindermagazine, 38 Hefte mit Kreuzworträtseln, 30 Comix- und 22
Sexheftli die Zahl ausmachen! Die weitaus höchsten Auflagen erzielen
Frauenmagazine wie Gloria, Tena oder Mila. Vor allem guter, d.h.
auch teurer politischer Journalismus hat es schwer, auf diesem Markt zu überleben.
Am besten auf dem Markt hält sich die private Europapress Holding von Ninoslav
Pavic, zu der die Tagezeitung Jutarnji list, die Wochenzeitung Globus
und Imperijal, Narodni Radio, Obiteljski Radio, Nova TV und rund
10 weitere Fernsehstationen gehören. Mit einer 50%-Beteiligung durch die
deutsche WAZ ist der Konzern inzwischen zu beträchtlicher Grösse angewachsen,
aber auch hier sind es die Frauenzeitschriften Gloria und Arena
sowie die Magazine Playboy und Cosmopolitan, die das Rückgrat
des Konzerns bilden. Die Gefahr besteht, dass solche internationale
Investitionen keinen Beitrag zu Meinungs- und Medienvielfalt leisten, sondern
dass damit Marktbedingungen und Inseratepreise diktiert werden, wie dies die WAZ
in Bulgarien erfolgreich vordemonstriert hat, und dass kleinere, aber für die
politische Meinungsbildung und die weitere Demokratisierung des Landes wichtige
Publikationen so an die Wand gespielt werden. Der Konzern kontrolliert heute
praktisch die gesamte Medienlandschaft Kroatiens. Die Tageszeitung Novi List
und die Wochenzeitung Feral Tribune leiden unter diesem Druck des
potenten internationalen Medienkonzerns. Es ist zu befürchten, dass mit
internationalem Kapital die Medienlandschaft kommerzialisiert und unabhängigen
Medien damit der Garaus gemacht wird, wenn internationale Unterstützung diese
Marktverzerrungen nicht mit politischem Druck auf die kroatische Regierung und
mit finanzieller Unterstützung für bedrohte unabhängige Medien ausbalanciert.
Dass Europapress-Mitinhaber Ninoslav Pavic zusammen mit den mächtigen
ehemaligen HDZ-Funktionären und Medienmogulen Ivic Pasalic, Vinko Pasalic und
Miroslav Kutle angeklagt ist, mafiöse Strukturen zur Kontrolle der
kroatischen Medienlandschaft unterhalten zu haben, stärkt nicht gerade das
Vertrauen in eine pluralistische und freie Medienzukunft des Landes – genau so
wenig wie die Tatsache, dass dieses Komplott der Medienherrscher anscheinend von
Staatspräsident Stipe Mesic aus eigenem politischem Interesse der neu
lancierten Tageszeitung Republika als Geschenk für ihre allererste
Ausgabe gesteckt wurde. Die gesellschaftlichen Strukturen in Kroatien sind
noch schwach, die kriegsbedingten Deformationen noch allenorts zu spüren und
der Verlust einer unabhängigen und kritischen Medienöffentlichkeit könnte
dazu führen, dass der langsam und behutsam in Gang gekommene
Demokratisierungsprozess in seinen Anfängen stecken bleibt und
gesellschaftspolitische Konfliktpotenziale damit schnell wieder zum
Manipulationsfeld der Machthaber werden könnten. Die Krise von professionellem und unabhängigem Journalismus in Kroatien ist
also insgesamt das Resultat der Krise der kroatischen Wirtschaft einerseits, der
politischen Machtkämpfe und Herrschaftsansprüche andererseits. 1)
TV Cakovec, VTV Vinkovci, TV Varazdin, Kanal Ri, TV Zadar, TV Nova (Pula),
Adriatic TV (Split) und die Station Offenes TV Zagreb. 2) Radio Donat FM Zadar, Radio Adriatic Neum, Cityradio Ritam Sibenik, Radio Borovo, Radio Brac, Hit Music Radio, Nautic Radio Vis, Radio Dunav, Radio Deejay Crikvenica, Radio KL Eurodrom, Radio Medjimurje, Radio Meastral und Radio 101 Zagreb. II PROJECTS
TO BE SUPPORTED
NEWS
LIBRARY SOCIETY (Zagreb) (Projektcode:
MH2001-CRO01-eNLS) – Developing of Electronic
News Archive (ENA) is a regional project being realised in Croatia, B-H, FRY and Macedonia. It
consist of providing digitised archiving of all media contents (from 1990) and
inter-connecting of county ENAs into a unified electronic
database which will be accessible to all journalists and scholars throughout
the region. The aims are to provide
journalists data necessary for performing professional investigative reporting
and to provide scholars data needed for analyses of the recent past. ENA Zagreb
is the leading partner within this regional project. STINA News Agency
(Split) (Projektcode: MH2001-CRO02-STINA) – This is a cross-border project, carried out in a co-operation with SAFAX News
Agency that operates within Media Plan Institute in Sarajevo. It consist of news
service on issues related to human and minority rights with more than 200 users among
media and local NGOs, as well as of producing special
radio shows on minority issues that are offered to local stations for
broadcasting. The aims are to rise
public awareness in regard to human and minority rights issues, as well as to support process of integration or return of refugees and DPs. |
|