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«Oslobodjenje» war vor dem Krieg die wichtigste bosnisch-herzegowinische
Tageszeitung. Seit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre verfolgte das Blatt einen von
allen politischen Zentren unabhängigen Kurs und pflegte einen unparteiischen
Journalismus. Es erwarb sich damit einen ausgezeichneten Ruf: In einer Umfrage wurde
«Oslobodjenje» 1989 von den jugoslawischen Journalisten und Journalistinnen zur besten
Zeitung des Landes gekürt.
Das Verlagshochhaus von «Oslobodjenje» war eines der markantesten modernen Bauwerke
Sarajevos. Seit die bosnische Hauptstadt belagert wird, ist das Gebäude zu einem
Hauptangriffsziel für Mörserangriffe und Heckenschützen geworden. Die Angestellten
arbeiten und leben seither in wöchentlichen Schichten im Keller des zerstörten
Hochhauses, wo die Zeitung auch gedruckt wird. Mehrere «Oslobodjenje»-ReporterInnen
kamen in diesem Krieg schon ums Leben, über zwanzig wurden schwer verletzt. Bei einem
durch Heckenschützen verursachten Autounfall wurde auch der 46jährige
«Oslobodjenje»-Chef Kurspahic am Bein verletzt.
Trotz allem erschien «Oslobodjenje» auch seit Kriegsausbruch jeden Tag. Sie war damit in
Sarajevo eine der letzten Verbindungen zur Alltags-Normalität, so wichtig wie die
tägliche Brotration. Das Blatt wurde auf vier bis acht Seiten gedruckt, im Kleinformat
und in einer Auflage von ein paar tausend Stück, die von der Belegschaft selbst auf den
Strassen Sarajevos vertrieben wurde.
«Oslobodjenje» unterhält in Zagreb eine Aussenstelle, mit der sie über Amateurfunk in
Verbindung steht. Dieses Zagreber-Büro gibt seit Februar 1993 eine Europaausgabe von
«Oslobodjenje» heraus, das den bosnischen Flüchtlingen Informationen über die
Ereignisse in der Heimat liefert und persönliche Botschaften aus Bosnien-Herzegowina
übermittelt die regulären Verbindungen zu vielen bosnischen Regionen war längst
unterbrochen.
1992 erhielt «Oslobodjenje» den «courage in journalism award» der amerikanischen
«International Womens Media Foundation» und einen Preis der französischen
Journalistenorganisation «reporters sans frontières», 1993 bereits weitere wichtige
Preise, so den britischen «Gerald Barry Award» für besondere journalistische
Leistungen, der nicht jedes Jahr verliehen wird. Fast vierzig grosse Printmedien in Europa
(«Tages-Anzeiger», «Nouveau Quotidien», «El Pais», «Libération», «Independent»,
«Süddeutsche» u.a.), aber auch in Asien, Afrika und Amerika würdigten diese
«tapferste Zeitung der Welt» («Bild») anlässlich des ersten Jahrestags der Belagerung
Sarajevos mit einer Sonderbeilage und der daraus resultierenden finanziellen
Unterstützung.
Background Information:
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