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Reisebericht Medienhilfe Ex-Jugoslawien
OSLOBODJENJE, SARAJEWO - Dienstag, 6. Mai 1997
Stolz muss es einst dagestanden haben, das Verlagshaus von "Oslobodjenje".
Jetzt ragen gerade noch die beiden Liftschächte in den grauen Himmel (siehe Titelbild
dieses Berichts). Die Frontlinie lag nur etwas mehr als hundert Meter vom modernen
Gebäude entfernt. Und doch wurde in den beiden Kellergeschossen jeden Tag eine Zeitung
hergestellt. Brot gab es nicht immer in Sarajevo, aber "Oslobo|enje" war stets
erhältlich. Vier Medienleute wurden getötet, zwanzig verwundet.
| Chefredaktor Mehmed Halilovic, stoisch ruhig wie immer, hat in drei
Jahrhunderten gelebt: "Vor dem Krieg war es das 20. Jahrhundert. Dann fielen wir ins
vorige Jahrhundert zurück, arbeiteten bei Kerzenlicht und schrieben unsere Artikel von
Hand. Jetzt fühle ich mich bereits im 21. Jahrhundert, wenn ich an die neue
Informationstechnik denke." |
 Mehmed Halilovic im
Atombunker von Oslobodjenje |
"Oslobodjenje", 1943 gegründet, war mit 3000 Beschäftigten und 20
Publikationen eines der grössten Medienunternehmen Jugoslawiens. Der Krieg unterbrach den
Privatisierungsprozess, der 1990 eingeleitet worden war. Heute weiss selbst Mehmed
Halilovic nicht, wem "Oslobodjenje" gehört. Um so mehr spürt er den
finanziellen Druck, der auf der Zeitung lastet: "Wir haben eine Gasrechnung erhalten
und müssen für die vergangenen zweieinhalb Jahre 150000 D-Mark bezahlen." Das
nur ein Beispiel - und eine Feststellung. Klagen ist nicht seine Art. Nein, politischen
Druck spüre er nicht, obwohl seine Zeitung die Regierung scharf kritisiere. Eine
Feststellung auch dies: "Die Auflage schwankt zwischen 15000 und 18000,
wovon 13000 bis 16000 zum Preis von einer halben D-Mark verkauft werden.
Zusammen mit den eher spärlichen Anzeigeneinnahmen ist das zu wenig, um die Kosten zu
decken. Die Bedingungen sind sehr ungleich: Während Zeitungen aus anderen Entitäten in
Sarajevo erhältlich sind, können wir "Oslobodjenje" nicht überall verbreiten.
Wir bedienen heute etwa einen Viertel von Bosnien-Herzegowina. 200 Exemplare kauft jeweils
die OSZE und bringt sie in die Republika Srpska."
Mehmed Halilovic hätte genügend Ideen für die Zukunft der Zeitung. "Doch noch
fehlt der Boden, damit die Ideen fruchtbar werden.
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