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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Radio ZID, Sarajewo

1. Hintergrund

Das Dayton-Abkommen sieht eine klare administrative Teilung Sarajevos vor. Die letzten Wahlen wurden von den Parteien gewonnen, welche den Krieg verlängert haben. Sie haben diese Teilung bestärkt. Auch auf kommunaler Ebene haben die radikalen Parteien eine starke Vormachtstellung. Die administrativen Grenzen behindern auch das intellektuelle und kulturelle Zusammenleben. Doch während die starken Parteien versuchen, Mauern aufrechtzuerhalten, zwingen die Lebensumstände die Menschen, Mauern niederzureissen. In Sarajewo gibt es viele Menschen aus dem «serbischen» oder «kroatischen» Teil der Stadt, die mit dem bosniakischen Stadtzentrum verkehren und die sich an kleinen wirtschaftlichen Unternehmen auf der Grenze dieser Nachbarschaften beteiligen. Eine ökonomische, kulturelle oder intellektuelle Entwicklung der Stadt ist unmöglich, wenn diese Realität nicht anerkannt wird.

Eine Folge der Teilung ist das Fehlen elektronischer Medien, die sich an das ganze Sarajewo richten. ZID ist dank seines Programms eine der wenigen Radiostationen für GANZ Sarajewo.

 

2. Ziele

Radio ZID, das innerhalb eines klar begrenzten Senderaumes operiert, wird zweifellos an Beliebtheit und Zuhörerschaft gewinnen. Radio ZID erreicht ungefähr 700.000 Menschen in ganz Sarajewo, inklusive den Teilen in der Republika Srpska und der kroatischen Nachbarschaft. Das erste Ziel ist, dieses Publikum mit einem kulturellen und musikalischen Programm zu erreichen, welches das kulturelle Leben aller Territorien Ex-Jugoslawiens berücksichtigt. ZID verdankt seinen Ruf dieser Politik: ein wohl ausgewogenes Feld für kulturelle Aktivitäten aus der ganzen Region zu schaffen. Im Oktober 1998 organisierte ZID ein Rock’n’Roll-Festival im Bahnhof von Sarajewo, das – zum ersten Mal seit Ausbruch des Krieges – Rockbands aus Kroatien, Serbien und Bosnien zusammenbrachte. Aus der Republika Srpska trafen Busladungen junger Menschen ein, die von der raren Gelegenheit profitieren wollten, beliebte Rockbands aus Kroatien live zu erleben – und umgekehrt. Der Erfolg des Anlasses bewies, was ZID immer wusste: Es gibt ein enthusiastisches Publikum für solche Anlässe, weil die Jugend in ihrer Liebe zu Rock’n’Roll nicht geteilt ist. Nach dem Konzert baten Student/inn/en, die in der Republika Srpska eine Radiostation betreiben, die Radio ZID um die Aufnahme des Konzertauftritts einer Gruppe aus Sarajewo. Es gibt viele solcher Beispiele und klare Hinweise auf die Verbindung zwischen der Jugendkultur in den geteilten Landesgegenden.

Neben dem Ausbau seines Kulturprogrammes hofft ZID, die Informationsquellen für seine Nachrichtensendungen zu vergrössern. Heute ignorieren Medien oft Ereignisse, die jenseits der von der Politik errichteten Grenze stattfinden. Um zu verstehen, was in der serbischen resp. kroatischen Nachbarschaft geschieht, muss man auf die serbischen resp. kroatischen Sender ausweichen. ZID will diese Situation verändern, indem es über die ganze Region Sarajewo berichtet. Um dies sicherzustellen, engagiert ZID Journalist/inn/en aus allen drei Teilen der Stadt.

Zusätzliche Aufwendungen sind zur Verbesserung der Qualität der Talk-Shows nötig. Talk-Shows bei ZID sollen die Menschen mit verschiedenem ethnischem, politischem usw. Hintergrund ermutigen, ihre Meinungen und Erfahrungen auszutauschen.

 

3. Zielgruppen

Radio ZID zielt auf gebildete Hörer/innen in GANZ Sarajewo, die ZID dank der Reglemente der Internationalen Medienkommission nun erreichen kann. Besonders wichtig sind Rückkehrer/innen sowie Jugendliche. ZID konzentriert sich auf Rückkehrer/innen aus Städten, in denen ein urbanes Radio existiert. In Sarajewo sind solche Menschen oft eine Minderheit in ihrem Lebensumfeld. Für sie stellt ZID dank seiner kulturellen Vielfalt und dem kosmopolitischen Programm einen wertvollen Teil des städtischen Lebens dar.

Jugendliche bilden das Publikum, das am ehesten bereit ist, Gedanken via Radio auszutauschen, vom vielfältigen Radioprogramm und den organisierten Ereignissen zu profitieren und damit zum langfristigen Aufbau des städtischen Lebens beizutragen.

 

4. Schlussfolgerungen

Die Entwicklung von Sarajewo ist behindert, bis die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stadtteilen ein natürlicher und alltäglicher Vorgang ist. Um das zu erreichen, braucht es Kommunikationskanäle wie lokale elektronische Medien, die die Stadt als Ganzes betrachten. Radio ZID hat das Potenzial, diesem Ziel zu dienen.

 

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE MEDIENHILFE EX-JUGOSLAWIEN:

26,180 CHF

VERMERK: ZID/99

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