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Reisebericht Medienhilfe Ex-Jugoslawien
RADIO ZID, SARAJEWO - Montag, 5. Mai 1997
Radio Zid ist ein Kriegskind. Im Februar 1993 von Universitätsprofessor Zdravko Grebo
gegründet, hat es auch in der schlimmsten Zeit ununterbrochen gesendet - und zeitweise
illegal Strom abgezapft. "Zid war mehr als ein Medium", sagt Zdravko Grebo.
"Zid war eine Bewegung." Auf dem Logo marschiert ein Mensch gegen eine Mauer,
Zid heisst Mauer. 1994 hat Radio Zid ein Rockkonzert mit einheimischen Gruppen organisiert
- "Rock under the siege", Rock unter Belagerung.
| Internationaler Einheitssound war auf Radio Zid noch nie zu hören. Und so
soll es bleiben. Nationalistische Musik hat im "Mauerradio" auch keine Chance.
Den offenen städtischen Geist von Sarajevo will Radio Zid am Leben erhalten. Die
Macherinnen und Macher haben mit den Jahren gewechselt. Rund vierzig sind seit der
Gründung durch die Schule von Radio Zid gegangen - "die einzige Journalistenschule
während des Kriegs", scherzt Zdravko Grebo. Doch das Ziel ist bis heute dasselbe
geblieben. Und das jetzige Team, noch autonomer als die vorhergehenden, hat mit einer
neuen Sendestruktur das Zeichen zum Weitermachen gesetzt. |
 Zdravko Grebo, Gründer
von Radio Zid |
Nur leben die Hörerinnen und Hörer von Radio Zid nicht mehr in den Häusern nebenan,
sondern verstreut in allen Ländern. "Wir müssen unser Publikum rund um den Erdball
suchen", so Zdravko Grebo. Da hilft das neue Medium Internet weiter. Die städtische
Bevölkerung von einst ist im Sarajevo von heute eine Minderheit. Das Land hat die Stadt
in Besitz genommen. Zum Trotz will Radio Zid wieder kulturelle Aktivitäten entwickeln,
CDs und Videos herausgeben. Doch an eine kommerzielle Ausrichtung des Senders mag niemand
denken.
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