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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Reisebericht Medienhilfe Ex-Jugoslawien

STUDIO 99, SARAJEWO - Sonntag, 4. Mai 1997

Emina, die junge Moderatorin und Journalistin, sitzt mit aufrechtem Rücken vor der Brooklyn Bridge. Das Poster wird jeden Abend um zehn Uhr sichtbar, wenn Studio 99 seine einstündigen Nachrichten sendet. Mehr als siebzig Prozent der 250’000 Einwohnerinnen und Einwohner von Sarajewo lassen sich mit der Brücke einen Hauch Neuer Welt liefern - und ein Symbol für die Völkerverständigung. Die Nachrichten des unabhängigen Studio 99, zu dem auch eine Radiostation gehört, sind sehr beliebt.

Mitte Oktober 1996 sind die Medienleute von Studio 99 ins Sportzentrum gezogen, das damals nicht viel mehr als eine leere Gebäudehülle gewesen sein muss. Während des Kriegs haben sie aus einem Luftschutzkeller eines Gebäudes gesendet, das jetzt von der Regierung benützt wird. Eng sei es dort gewesen, sagen sie. Platz und Infrastruktur hat’s auch am neuen Ort wenig. Emina vor der Brücke kommt ohne Teleprompter aus und hat weder zum Kameramann hinter einer Glasscheibe noch zum Nachrichtenpult einen Stock höher direkten Kontakt. Wenn sie, perfekt geschminkt, um zehn Uhr auftritt, hat sie bereits einen Elf-Stunden-Tag am Nachrichtenpult hinter sich. Und sie schwärmt von der guten Zusammenarbeit - auch zwischen Radio und Fernsehen.

"Wir überleben, aber wir schwimmen unter Wasser", sagt Zoran Ilic , der stellvertretende Chefredaktor von Studio 99. Er träumt von Werbung, doch die wirtschaftliche Situation ist zu schlecht, um damit auf einen grünen Zweig zu kommen. Immerhin können mit einem monatlichen Zustupf von der Soros-Stiftung die Korrespondenten in Zagreb, Belgrad und Banja Luka bezahlt werden. Mit einem neuen Übermittler - auf kroatischem Gebiet - soll diesen Sommer das Sendegebiet der Fernsehstation auf einen Radius von siebzig bis achtzig Kilometer erweitert werden. Das Radio von Studio 99 ist bereits in einem Umkreis von 130 Kilometern zu empfangen.

Zoran Ilic im Gespräch mit der Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Mimos Blick wandert unruhig. "Die Leute denken immer noch, die Politiker seien unberührbar." Der junge Journalist schreckt in seinen Sendungen vor Kritik nicht zurück und macht nach eigenen Aussagen keinen Unterschied zwischen bosnischen und serbischen Politikern. Eine ausgewogene Berichterstattung betrachten er und Zoran Ilic als Menschenrecht. "Ob nun serbische Familien vertrieben oder bosnische Familien weggewiesen werden, wir berichten darüber. Und als Bosnier in Mostar von Kroaten beschossen wurden, brachten wir zwei Berichte - einen von der bosnischen, einen von der kroatischen Seite Mostars."

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