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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Reisebericht Medienhilfe Ex-Jugoslawien

BANJA LUKA: NOVI PRELOM, REPORTER & BUM - Mittwoch, 7. Mai 1997

Radmila Karlas schaukelt mit ihrem hellblauen, lottrigen Renault 4 durch Banja Luka. Ursprünglich Politologin, arbeitet sie heute als freie Journalistin. Normales Leben, normaler Allltag, so scheint’s. Doch die Telefone unabhängiger Medienleute in Banja Luka werden abgehört, und offizielle Informationen werden ihnen vorenthalten. Bei einem Kollegen von Radmila meldet sich jede Nacht ein anonymer Anrufer, Schimpfworte und Drohungen ausstossend. Vor zwei Jahren soll’s noch schlimmer gewesen sein, erzählen Radmila und ihre Kollegen. Damals hätten sie es nicht gewagt, im Restaurant über Politik zu sprechen.

Immerhin kann Radmila Karlas heute als Korrespondentin von "Studio 99" und "Dani" in Sarajewo aus Banja Luka berichten. "Die Leute in Sarajewo sollen sich ein genaues Bild von der Situation hier machen können." Das ist ihr Anliegen. Ein OSZE-Auto bringt das Filmmaterial jeweils nach Sarajevo. Eine öffentliche Verbindung gibt’s nicht, da die im Dayton-Abkommen festgeschriebene Bewegungsfreiheit immer noch Illusion ist. Manchmal wird Radmila, wenn sie mit dem UNHCR-Bus nach Sarajevo kommt, auf der Strasse auf ihre Berichte angesprochen. "Die Leute realisieren, dass wir hier wie dort die gleichen Probleme haben. So wird das gegenseitige Feindbild abgebaut. Die Reaktionen zeigen mir auch, dass die Leute gerne einen Austausch pflegen würden. Aber niemand wagt, dieses Bedürfnis zu äussern."

Miso Vidovic (Chefredaktor), Radmila Karlas (freie Journalistin) und Spasoje Perovic (Herausgeber im Krieg) (v.l.n.r.) bei "Novi Prelom" in Banja Luka.

Radmila Karlas hat früher für die alle zwei Wochen in Banja Luka erscheinende Zeitschrift "Novi Prelom" gearbeitet. Der "neue Umbruch", so die Übersetzung des Titels, hat seinen Namen von der einstigen Jugendzeitschrift "Prelom". "Wir sind abhängig - von den offenen Gedanken", sagt Spasoje Perovic , der "Novi Prelom" 1992 zusammen mit einem Kollegen gegründet hat. "Das Einzige, das wir damals hatten, war eine kleine Schreibmaschine." Spasoje Perovic setzt sich ein für "demokratische Offenheit in einer Zeit, in der immer noch Misstrauen, Intoleranz und Hass regieren." Er will einen "Dialog mit Worten, nicht mit Waffen".

Ein Exemplar von "Novi Prelom" - rund 5000 werden jeweils gedruckt - kostet fünf Dinar, soviel wie anderthalb Kilo Brot. Für die Distribution in der Republika Srpska ist "Novi Prelom" - wie für den Druck - auf staatlich kontrollierte Gesellschaften angewiesen, in Bosnien-Herzegowina arbeitet man mit der OSZE und der Zeitschrift "Dani" in Sarajevo zusammen, und nach Serbien und Kroatien gelangt "Novi Prelom" dank privater Kontakte. Mit Radio wäre mehr zu erreichen. Deshalb haben sich die Medienleute von "Novi Prelom" um eine Frequenz bemüht - und auch eine erhalten, nicht die zuerst zugesagte allerdings, sondern eine, die unmittelbar neben der Frequenz eines starken privaten, regierungsfreundlichen Senders liegt. Im Krieg war das Gebiet der Republika Srpska völlig isoliert. "Die Öffnung", so Spasoje Perovic, hat uns internationale Unterstützung und eine Menge neuer unabhängiger Medien gebracht. Ich frage mich nur, ob die Leute, die nun für diese Medien arbeiten, ihre Überzeugung bis jetzt versteckt haben, oder ob sie jetzt etwas verbergen." Andererseits gibt er zu, dass der Krieg die Energie der alten Generation aufgefressen hat. "Es ist gut, wenn neue Leute mit neuen Ideen kommen."

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