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Nachrichtenagentur STINA Projekt: I Hintergrund über die Nachrichtenagentur STINA STINA ist eine unabhängige Medienagentur mit Sitz in Split, Kroatien. STINA wurde 1991 gegründet, um die unterbrochenen Kommunikationswege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien wieder aufzubauen und dem Missbrauch der Medien für die nationalistischen Kriegszwecke eine professionelle Berichterstattung entgegenzusetzen. STINA ist inzwischen eine bekannte und respektierte Agentur in Kroatien und immer noch die einzige unabhängige Agentur neben dem staatlichen Nachrichtendienst HINA. STINA arbeitet mit über 70 Medien zusammen - sowohl in Kroatien selber, als auch mit unabhängigen Medien in den anderen Staaten der Region des ehemaligen Jugoslawien (Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Mazedonien, Bundesrepublik Jugoslawien [Serbien, Montenegro, Kosov@]) und mit mehr als 30 unabhängigen Medien in ganz Zentral- und Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion (Rumänien, Bulgarien, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen, Russland, Estland, Ukraine, Weissrussland, Aserbeidschan, Armenien, Georgien, Kirgisistan und Usbekistan). Zu den Partnern von STINA gehören aber auch Medien im Westen (Schweiz, Deutschland, Österreich, USA). STINA verfügt über ein Netz von KorrespondentInnen und MitarbeiterInnen, das rund 50 Personen in Kroatien und den anderen Regionen des ehemaligen Jugoslawien sowie Zentral- und Osteuropa umfasst. STINA bietet einen Tagesservice in kroatischer Sprache und einen Wochendienst in englisch mit der Produktion und dem Vertrieb von mehr als 700 Beiträgen pro Monat. Mit Unterstützung der OSZE-Mission in Kroatien konnte STINA 1999 auch erfolgreich ein Pilotprojekt für Radiosendungen durchführen, die sich an kroatische Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina richtete, die heute in Kroatien sind. II Problembeschreibung Die Berichterstattung über lokale Ereignisse und Probleme ist in Kroatien immer noch ungenügend und nicht den Bedürfnissen und Herausforderungen entsprechend. Oft erlangen lokale Ereignisse nur als Skandale und Sensationen (nationale) Bedeutung und die journalistische Aufarbeitung und Berichterstattung der lokalen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gegebenheiten wird oft vernachlässigt. Die Berichterstattung auf den Lokalseiten der Tageszeitungen und in den Gefässen der lokalen elektronischen Medien beschränkt sich meist auf formale Nachrichten ohne analytischen und journalistischen Ansatz an die lokalen Themen und Probleme. Den lokalen Medien fehlen damit zentrale Aspekte und Funktionen, die Lokalmedien in demokratischen Gesellschaften wahrzunehmen haben: Einbezug der lokalen Bevölkerung in die politische Verantwortung, die Funktion der Medien als Öffentlichkeit zur Kontrolle lokaler Politik, der öffentliche Dialog über zentrale Themen der lokalen Gemeinde und die Entwicklung bürgerschaftlicher Ausbildung. Meist fehlt es den lokalen Medien schlicht am Geld und damit am Personal, um mit der notwendigen Qualität Information bereitzustellen. Dem soll mit einem Netzwerk an KorrespondentInnen für Lokalmedien Abhilfe geschaffen werden. Der Aufbau und die Stärkung lokalen Medienschaffens und die Berichterstattung und mediale Auseinandersetzung mit lokalen Themen ist ein zentrales Moment des "institution building", des Aufbaus lokaler gesellschaftlicher Strukturen, der Demokratisierung der Gesellschaft, der politischen Bildung der BürgerInnen und des verantwortlichen Einbezugs in die politische Gestaltung ihrer Gesellschaft. Der Aufbau lokaler Demokratie trägt direkt auch zur Demokratisierung auf nationaler Ebene bei. Angesichts der schwachen demokratischen Tradition der kroatischen Gesellschaft ist die Begleitung dieses Lernprozesses mit medialen Mitteln immer noch sehr schwach. Lokale Medien existieren einzig in den grossen Städten des Landes, während die umliegenden Gebiete, die kleineren Städte und Dörfer, überhaupt nicht über eine Medienöffentlichkeit verfügen. Für professionellen Journalismus fehlt den Lokalmedien meist das Geld, um diese Zielgruppe mit den notwendigen Informationen und Beiträgen zu versorgen. III Problembearbeitung und Projektziele Ende 1999 begann die Nachrichtenagentur STINA eine Zusammenarbeit mit der Tageszeitung "Novi list" aus Rijeka. Beabsichtigt wurde eine Herausgabe dieser bekannten nationalen Zeitung für Dalmatien, d.h. die ganze Küstenregion Kroatiens. Mit dieser Lokalausgabe von "Novi List" wurde Platz geschaffen für eine systematische und kritische Berichterstattung über lokale Themen in Dalmatien. Zudem wurde damit die Türe aufgestossen zum Aufbau eines Netzwerks professioneller lokaler JournalistInnen, die ihre Beiträge auch anderen Lokalmedien zur Verfügung stellen können. STINA organisierte die ersten Kontakte dieses Netzwerks für lokale Themen, Probleme und Prozesse. Mit dem weiteren Auf- und Ausbau dieses Netzwerks plant STINA eine qualitative und quantitative Stärkung der lokalen Berichterstattung. Spezielle Beachtung verdient dabei die Ausbildung in Recherchier-Journalismus, der kritisch die lokale Situation verfolgt und wirtschaftliche, soziale und politische Themen aufgreift. Die so hergestellte Medienöffentlichkeit wird es der lokalen Bevölkerung erleichtern, ihre lokalen Probleme zu erkennen und zu bearbeiten, verschiedene Interessen und Meinungen wirtschaftlicher, sozialer und politischer Akteure klarer wahrzunehmen und zu definieren, und mit der Belebung der lokalen politischen Diskussion die Demokratie auf lokaler Ebene zu stärken. Die lokale Bevölkerung wird in die Lage versetzt, sich selber für ihre Interessen zu artikulieren und Manipulationen durch lokale wie nationale Machthaber eigene Kompetenz und eigenes (politisches) Handeln entgegenzusetzen. Bei der Realisierung des Netzwerks für lokale Berichterstattung werden Lokalradios und lokale Fernsehstationen besonders berücksichtigt. Viele lokale elektronische Medien verfügen nicht über die Mittel und das Personal, um hochstehende professionelle Informationssendungen über lokale Themen zu produzieren. Sofern sie überhaupt Nachrichtensendungen haben, bestehen diese meist aus den Informationsprogrammen der ausländischen Stationen in süd-slawischer Sprache (Deutsche Welle, BBC, Radio Free Europe u.a.), die ohne eigene Bearbeitung und Ergänzungen wieder ausgestrahlt werden. Damit werden aber nur die Ereignisse von internationaler und allenfalls nationaler Bedeutung abgedeckt, während lokale Themen keinen Eingang finden. Damit können solche Lokalsender ihre wichtigste öffentliche Aufgabe nicht wahrnehmen. Der Aufbau eines Netzwerks lokaler Berichterstattung schafft die Voraussetzung für eine breitere, professionellere und erst noch billigere Produktion von Informations- und Hintergrundprogrammen über lokale Ereignisse, Probleme und Themen. Lokale Medien erhalten so die Möglichkeit, ihre Aufgabe beim Aufbau lokaler Strukturen und lokaler Demokratie wahrzunehmen und zu einer demokratischen, pluralistischen und zivilen Gesellschaft auch auf nationaler Ebene beizutragen. Die Realisierung dieses Projektes wird direkt auch die zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen stärken, die sich auf lokaler Ebene mit ihren Problemen auseinandersetzen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Fragen stärken. IV Projektaktivitäten
offener Projektbetrag 25,999 SFr. |
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