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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Ein Fernsehen für den Kosov@

Als Milosevic 1989 die Autonomie des Kosov@ aufhob, wurden kurz darauf alle albanisch-sprachigen MitarbeiterInnen bei Radio und Fernsehen Pristina entlassen. Seither sind die Kosov@-AlbanerInnen, d.h. neunzig Prozent der Bevölkerung, von elektronischem Medienschaffen ausgeschlossen. Zwar gab und gibt es einige Medienprojekte, die Radiosendungen produzierten, und sie über Internet und seit letztem Jahr auch über Satellit auszustrahlen, normale Radio- und Fernsehsendungen aus dem Kosov@ und für den Kosov@ in albanischer Sprache waren aber unmöglich. Das wird sich jetzt ändern.

Nachdem serbische Einheiten die Produktionsanlagen in Pristina zerstört hatten, musste die Crew von "Media Project" MP (siehe letzter ssm-express) ins benachbarte Mazedonien flüchten. Von dort aus begann Radio/TV21, das elektronische Teilprojekt von MP, wieder zu arbeiten: Sendungen für ausländische Stationen wurden produziert und das Team um Aferdita Kelmendi, Direktorin und Produzentin von MP, begann sich auf die Rückkehr in den Kosov@ vorzubereiten. Schon in den ersten Tagen nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens kehrten MitarbeiterInnen von MP in den Kosov@ zurück. Ein ganzes Stockwerk im Gebäude der ehemaligen albanischen Zeitung Rilindija wurde angemietet, um dort die Radioproduktion unterzubringen. Von internationalen Organisationen erhielt MP eine Sendeanlage. Als erstes Radioprojekt erhielt MPP nun auch eine Sendefrequenz. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um sehr bald das Radiostudio von Mazedonien nach Pristina zu verlegen.

Als nächstes soll Kosov@ endlich auch ein eigenes albanisch-sprachiges Fernsehen erhalten. MP hat ein Projekt erarbeitet, das unter dem Titel "Fernsehen und der Aufbau der Zivilgesellschaft" läuft. In Zusammenarbeit mit Ilan Ziv, Präsident von Tamouz Media, und Serge Gordey, Direktor von First Person TV, soll in den nächsten Wochen ein Sender entstehen, der unabhängiges, Fernsehschaffen im Hinblick auf den zivilen Wiederaufbau der Gesellschaft zum Ziel hat. Da MP/RTV21 als einziges Medienprojekt im Kosov@ über erfahrene Radio- und FernsehjournalistInnen verfügt und die Projektpartnerinnen Tamouz/First Person TV international erfahrene Fernsehproduzentinnen sind, darf man sicher sein, dass der geplante Sender den Kriterien professionellen Medienschaffens entsprechen wird.

Schon früher hat MP/RTV21 mit seinen Dokumentarfilmproduktionen "Kosovo – A View from Inside" bewiesen, dass sie die Zusammenhänge von professionellem Medienschaffen und gewaltfreier Konfliktbearbeitung verstanden haben und umsetzen können. Die Produktion ist ein Beispiel dafür, wie Medien zu Verständnis und Verständigung beitragen können, statt wie leider so oft mit Feindbildern und Vereinfachungen Konflikte schüren statt zu ihrer Lösung beizutragen. In den nächsten Wochen sollen weitere Fernsehleute ausgebildet und Sendungen produziert werden, während gleichzeitig die technischen Voraussetzungen für den eigenen Sendebetrieb geschaffen werden. MP/RTV21 arbeitet dabei eng mit anderen Organisationen wie der Medienhilfe Ex-Jugoslawien, aber auch mit den RepräsentantInnen der internationalen Gemeinschaft, der Uno, der OSZE usw. zusammen. Bereits haben verschiedene internationale Fernsehstationen ihre Zusammenarbeit und Unterstützung angeboten.

Angesichts der Kriegszerstörungen, des menschlichen Elends, der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krise und der polarisierten Situation in der kosov@-albanischen Politik erfordert professionelles Medienschaffen, vor allem beim Fernsehen mit seiner medialen Macht, eine ausserordentliche gesellschaftliche Verantwortung. Die Medienschaffenden, die sich dieser Herausforderung stellen, verdienen unsere Bewunderung, vor allem aber unsere Unterstützung. Wir laden die LeserInnen des ssm-express ein, das Fernsehprojekt von MP mitzutragen mit einer Spende an die Medienhilfe Ex-Jugoslawien, PC 80-32253-9, Vermerk: MP/TV21.

Roland Brunner, Medienhilfe Ex-Jugoslawien

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