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TV-Produktion Kosov@ eine Innenansicht
Medienprojekt Pristina
Alle Teilnehmerinnen, die einen Workshop (s. Projekt 1) erfolgreich abgeschlossen
haben, erhalten die Möglichkeit, an konkreten Aufgaben beim Medienprojekt Pristina
mitzuwirken. Eines der jüngsten Projekte dieser Art besteht in der Aufbereitung von
Hintergrundinformation aus Kosov@ in den Sprachen Albanisch, Serbisch und Englisch für
Dokumentarfilme. Die Produktionen werden in Zusammenarbeit mit Belgrader Büro der
US-amerikanischen Medienorganisation Internews verwirklicht, das Rohmaterial wird
gemeinsam bearbeitet und mit zugemieteter Sachkenntnis und technischem Gerät von
erfahrenen JournalistInnen und TechnikerInnen von Internews aufbereitet. Fertiges Material
wird über das Netzwerk unabhängiger elektronischer Medien ANEM ausgestrahlt und über
Internews an interessierte Fernsehstationen im Ausland weiterverbreitet.
Im Frühling 1998 wurden die ersten Programme produziert und von den 17 ANEM-TV-Stationen
gesendet. Die Reaktionen aus der serbischen Alternativszene waren sehr positiv. Die
einzigen negativen Kommentare kamen vom staatlichen Fernsehverbund Radio-TV Serbien RTS:
ANEM wurde wegen Ausstrahlung albanischer Propaganda als Verräter
angeprangert. Entscheidend ist aber, dass vom Publikum keinerlei negative Reaktionen zu
vernehmen waren. Ganz im Gegenteil: Einige TV-Stationen wiederholten die Sendungen auf
ausdrücklichen Wunsch des Publikums. Dies ermutigte das Medienprojekt Pristina, sich um
die Finanzierung eines sechsmonatigen Dauerbetriebes zu bemühen. Die Produktion soll 24
Sendungen umfassen eine pro Woche. Jede Sendung wird aus drei Blöcken von 15
Minuten Dauer bestehen, so dass letztlich sechs Stunden Bildmaterial zusammenkommen.
Die Themen drehten sich um gewöhnliche Kosov@-AlbanerInnen, ihren Alltag,
wovon sie leben, um Schwierigkeiten, denen sie gegenüberstehen, um ihre Sitten und
Gebräuche, um Beziehungen zwischen Familien, Umgangsformen und Beziehungen zu
NachbarInnen, um Besonderheiten des Lebens und Beschäftigungen, denen Menschen
verschiede-ner Generationen oder von ländlicher oder städtischer Herkunft nachgehen, um
Sorgen, Hoffnungen und Pläne für die Zukunft.
Durch die Zusammenarbeit mit ANEM kann auch das serbische Publikum, das im Sendegebiet
eines der 17 Fernsehstationen des Verbundes wohnt, diese Dokumentarfilme sehen
immerhin rund 1,2 Millionen Menschen. Viele von ihnen dürften anfangs verdutzt sein, weil
sie Entgegnungen auf die seit einem Jahrzehnt vom mächtigen Staatsfernsehen
eingetrichterten und schliesslich verinnerlichten Stereotypen zu sehen und zu hören
bekommen. Menschen, die solchen Einflüssen lange Zeit ausgesetzt waren, sollen beginnen,
ihre Einstellungen in Frage zu stellen und neu zu bestimmen. Die Fernsehprogramme stellen
den Anderen, den Feind, als gewöhnlichen Menschen dar und geben
dem Publikum die Möglichkeit, Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen sich und diesem
Andern zu entdecken. Vom Feind werden die NachbarInnen zu
Menschen. Dieser Prozess braucht seine Zeit und kann in naher Zukunft kaum grosse Früchte
tragen was uns um so mehr anspornt, endlich damit zu beginnen.
Das Budget dieses Projektes schliesst folgende Beträge ein: Löhne für das TV-Personal
(RedaktorInnen, JournalistInnen und technische MitarbeiterInnen); Miete von Geräten;
Verbrauchsmaterial; Übersetzungen in serbische und englische Sprache.
Der für die Umsetzung des Projektes benötigte Betrag beläuft sich auf Fr. 49'400.
Unterstütungsbeiträge mit Vermerk MPP-TV
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