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Videobriefe und Zeugenaussagen zur Traumaverarbeitung Eine Fernsehproduktion als Beitrag zur Verarbeitung von Kriegstraumatisierung und zum Wiederaufbau der lokalen Gemeinschaften der Kosovo/a-Albaner/innen 1. PROJEKTKONTEXT Die Zerstörungen im Kosovo/a während des letzten Krieges werden als schwerwiegendste Gräuel in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieben. Mehr als eine Million ethnisch-stämmiger Albaner/innen mussten fliehen oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Meist blieb ihnen nichts als ihre Kleider, die sie am Leib trugen. Zehntausende Menschen werden vermisst, viele davon wurden wahrscheinlich ermordet. Unzählige Vergewaltigungen geschahen. In ganz Kosovo/a wurden Hunderte von Dörfern geplündert und niedergebrannt. Hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene wurden gezwungen, den Kosovo/a Richtung Albanien, Mazedonien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina zu verlassen. Auch wenn diese Geschehnisse in den Medien als "humanitäre Katastrophe" oder als "Flüchtlingskrise" beschrieben werden, so sind sie doch weniger Opfer einer Katastrophe als Deportierte einer systematischen Vertreibungspolitik der "ethnischen Säuberungen". Obwohl die meisten Menschen in der Zwischenzeit in ihre Heimat zurückgekehrt sind, so verbleiben von der vorsätzlich zerstörten nationalen Gemeinschaft doch nur Trümmer. Bauern, Ärzte, Rechtsanwälte, Sekretärinnen, Hausfrauen, Handwerker und Frauen wurden zu gewaltversehrten, traumatisierten Individuen gemacht, die für jedes und alles, von Nahrungsmitteln über Kleider bis zur Unterkunft von Hilfe und Beistand abhängig sind. Ganze Gemeinschaften, die sich einst selber versorgen konnten, müssen heute von der humanitären Hilfe der internationalen Gemeinschaft leben. Gemeinschaften, die zuvor solide strukturiert und organisiert waren, wurden zerschlagen und zerbrochen. Viele Familien und nachbarschaftliche Beziehungen bleiben zerschnitten. Um diese riesigen Probleme zu überwinden, genügen humanitäre Hilfe, der Wiederaufbau von zerstörten Häusern, der Infrastruktur und der Wirtschaft nicht. Die Menschen wurden vom Krieg allen Lebens beraubt und brauchen heute einen Beistand, um die familiären und nachbarschaftlichen Beziehungsnetze wieder knüpfen zu können. Sie müssen zuerst ihr Selbstwertgefühl wieder finden. Eine seriöse und gut durchdachte Arbeit an den kollektiven Erinnerungen und an der Verarbeitung der Traumatisierungen ist dazu wichtig. Unabhängige Medien, die sich nicht einer Ideologie oder politischen Struktur verpflichtet haben, müssen dabei eine zentrale Rolle spielen. 2. Vorgeschichte und Begründung Das "Media-Project" wurde im November 1995 als regierungsunabhängiges Entwicklungs- und Medienprojekt gegründet. Die wichtisten entwicklungspolitischen Initiativen und Aktivitäten sind:
Im Verlauf des Jahres 1998 realisierte "Media Project RTV 21"im kriegsversehrten Kosovo/a eine spezielle und sehr bedeutende Fernsehproduktion unter dem Titel "Kosov@ - eine Innenansicht" (Kosov@ - a Viev from Inside"). Das Projekt konnte realisiert werden dank der Unterstützung durch die Medienhilfe Ex-Jugoslawien. Es beinhaltet 12 Kurzgeschichten mit Hintergrund über das Alltagsleben von Kosovo/a-Albaner/innen. Ganz normale Menschen sprachen über ihr Leben, über ihre Lebensgrundlagen, über ihre Probleme, ihre Gewohnheiten, ihre Kultur, die familiären Beziehungen, über ihre Sorgen, ihre Pläne und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Die Kurzgeschichten in albanischer Sprache wurden mit serbischen und englischen Untertiteln versehen und auch an 17 unabhängigen Fernsehstationen in Serbien und Montenegro gezeigt, wo sie von 1,5 Millionen Menschen gesehen werden konnte. Ziel dieser Produktion war es, der serbischen und montenegrinischen Bevölkerung einen Einblick in das Leben der Albaner/innen im Kosovo/a zu geben und ihnen damit zu erlauben, Ähnlichkeiten in ihrem Alltagsverhalten und ihren Alltagssorgen festzustellen. Die Alltagsgeschichten der Albaner/innen sollten aus ihnen menschliche Wesen wie sie selber machen. Die Filme erreichten ihr Ziel und einige Fernsehstationen erhielten Anrufe von den Zuschauer/inne/n, die Beiträge nochmals zu zeigen. Ausgehend von den Erfahrungen mit der Produktion "Kosov@ - eine Innenansicht" plant "Media Project RTV 21" heute eine neue Produktion, die vor allem auf das kosovo/a-albanische Publikum abzielt. Mit den gleichen Arbeitsmethoden sollen Beiträge entstehen, die einen Beitrag leisten zur Verarbeitung und psychologischen Heilung der Kriegstraumatisierungen. Dieser Prozess soll eingeleitet werden und damit auch ein Wiederaufbau der vom Krieg zerschlagenen Familien- und Gemeinschaftsstrukturen der kosovo/a-albanischen Gesellschaft angegangen werden. "Media Project RTV 21" arbeitet dazu mit einem Team der besten internationalen Expert/inn/en zusammen, die über reiche Erfahrung mit dieser Art der Produktion in anderen Nachkriegs-Gesellschaften auf der ganzen Welt verfügen. Die Berichte vieler humanitärer Organisationen wie UNHCR, IKRK u.a. und von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch oder der Helsinki Federation for Human Rights belegen, wie schwerwiegend und weit verbreitet die Traumatisierungen durch direkte Kriegserlebnisse im Kosovo/a sind (Augenzeugen von Kriegsverbrechen). Aber auch Menschen, die nicht selber traumatisierende Ereignissen erleben oder solchen beiwohnen mussten, indem sie Zeuge davon wurden, weisen Symptome von Kriegstraumatisierung auf. Der kosovo/a-albanischen Gesellschaft droht die Gefahr eines traumatisierten "kollektiven Bewusstseins". Dieser Gefahr kann und muss durch die Arbeit von Nicht-Regierungs-Organisationen begegnet werden. Medien müssen hier einen wesentlichen Beitrag leisten, um diese Arbeit mit speziellen Produktionen in der Gesellschaft zu verbreitern und vertiefen und dadurch den Verarbeitungs- und Heilungsprozess zu beschleunigen. "Media Project RTV 21" ist der erste unabhängige elektronische Medienbetrieb in albanischer Sprache im Kosovo/a. "Radio 21" sendet schon heute ein 24- Stunden-Programm (99.8 MHz FM) aus Pristina und deckt damit den ganzen Kosovo/a ab. "Media Project RTV 21" hat inzwischen auch die Bewilligung erhalten, auf Kanal 39 einen eigenen Fernsehbetrieb aufzunehmen und wird in Kürze damit beginnen. Die hier als Projekt eingereichten Produktionen werden vom 17-köpfigen professionellen Fernsehteam "TV 21" erstellt. Dieses Team ist aber immer noch sehr klein gemessen an der Herausforderung der beiden jetzt geplanten Produktionen. Neue Journalist/inn/en und Produzent/inn/en müssen rekrutiert und ausgebildet werden. Dazu wird ein Team erfahrener internationaler Expert/inn/en beigezogen. In der Zusammenarbeit mit dem lokalen Fernsehteam an diesen Produktionen werden sie die neuen lokalen Mitarbeiter/innen ausbilden. Die so neu geschaffenen Kompetenzen und Kapazitäten sind ein wichtiger Beitrag zu einem professionellen und kompetenten TV-Team, mit dem RTV 21 nach Abschluss dieser Produktionen selbstständig weiterarbeiten kann. Die Mitarbeit eines Team internationaler Expert/inn/en ist auch erforderlich, da es sich bei dieser Produktion um eine delikate und sehr anspruchsvolle Aufgabe handelt, die für eine gute Projektabwicklung spezifische Facherfahrung und Fachwissen erfordert. Das internationale Team von Expert/inn/en setzt sich wie folgt zusammen:
3. PROJEKTZIELEDie Filmproduktion zur Verarbeitung von Kriegstraumatisierung und zum Wiederaufbau der lokalen Gemeinschaften der Kosovo/a-Albaner/innen soll den Menschen helfen, ihre eigene Geschichte in ihren eigenen Worten und Bildern zu erzählen. Diese Art der Produktion, in der die Zuschauer/innen nicht nur Objekte sind, sondern in der sie aktiv teilnehmen und teilhaben an der Programmgestaltung, ermutigt und bestärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der kriegsversehrten Menschen, stärkt ihre Individualität und ihr Bewusstsein für persönliche und kulturelle Unterschiede und Vielfalt. Der aktive Umgang mit Medienschaffen schützt Menschen zudem vor weitergehender Medienmanipulation und Propaganda, weil sie sich selber als aktive Gestalter der Öffentlichkeit erleben. Die Produktion soll "normalen Menschen" ermöglichen, ihre eigenen Kriegserfahrungen, die erlebten Kriegsverbrechen, die Verletzungen der Menschenrechte usw. zu artikulieren und sie mit anderen Mitgliedern der Gemeinschaft und der Gesellschaft auszutauschen. Die Verständigung über die erlebten Traumatisierungen ist ein wichtiger Schritt zu ihrer Überwindung und zum gesellschaftlichen Verarbeitungsprozess. Durch diese Verständigung und Verarbeitung wird auch der Boden gelegt für eine Versöhnung der heute verfeindeten Menschen über die ethnischen Gruppenzugehörigkeiten hinweg. 4. PROJEKTAKTIVITÄTEN Die hier als Projekt vorgelegte Fernsehproduktion wird zwei Arten der Programme erarbeiten: 1. Video-Briefe:
2. Dokumentation von Zeugenaussagen:
Beide hier vorgestellten Fernsehproduktionen werden in serbo-kroatischer und englischer Sprache untertitelt. BENÖTIGTE FINANZEN: 160,00 CHF |
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