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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

Radio MIR in Tuzi/Montenego

Unabhängige Information für die albanische Minderheit in Montenegro

  • Hintergrund des Projekts

1998 wurde in Montenegro unter internationalem Druck ein neues Informationsgesetz verabschiedet, das die Voraussetzung für die Unabhängigkeit der Medien schaffen sollte. Aber die Situation ist für kritische Medien immer noch recht schwierig. Unabhängige Fernseh- und Radiostationen sind rar. Die meisten Sender sind von finanzieller Unter­stützung der Regierung abhängig. Allzu oft dienen sie als Sprachrohr und Instrument der Macht. Zentrale Positionen in diesen Medien werden fast ausschliesslich durch politische Instanzen besetzt, womit regierungsloyale Berichterstattung gewährleistet wird.

Aber es gibt auch in Montenegro kritisch und differenziert berichtende Medien, welche auf Qualitäts­journalismus und Meinungsvielfalt bauen. Sie spielen eine entscheidende Rolle für eine demokratische und friedliche Lösung bestehender gesellschaftlicher und politischer Konflikte. Ob dauerhafte Stabilität und ein vorurteilsfreieres Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Montenegro erreicht werden kann, hängt sehr stark von der Entwicklung einer professionellen und unabhängigen Medienlandschaft ab, wird doch die Problemwahrnehmung der Menschen in hohem Masse geprägt von dem, was ihnen durch die Medien vermittelt wird. Medienschaffende tragen damit eine nicht zu unter­schätzende Verantwortung – gerade in Krisengebieten.

Bei Radio MIR ist man sich dieser Verantwortung bewusst: Als einzige unabhängige Station sendet Radio MIR 80 Prozent seines Programmes in albanischer Sprache. Das Radio-Team besteht aus 5 JournalistInnen und einem Techniker, die Vollzeit angestellt sind, sowie 15 in Teilzeit beschäftigten AssistentInnen und VolontärInnen. Die 5 fest angestellten JournalistInnen sind Mitglieder der „Unabhängigen Vereinigung von Berufsjournalisten in Montenegro“. Sie haben im Laufe des vergangenen Jahres verschiedene Trainingsseminare absolviert. Drei davon haben in internationalen Trainingszentren Kurse besucht.

  • Für mehr Toleranz: Das Projekt Radio MIR

Seit Radio MIR 1999 auf Sendung gegangen ist, strahlt der Sender Nachrichten- und Informations­programme aus und tritt engagiert ein für mehr Toleranz zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen Montenegros.

In einer Landesgegend, in der nur ein kleiner Teil der Bevölkerung von umfassender Bildung profitieren kann, setzt sich Radio MIR ein für eine besser gebildete und emanzipierte Bevölkerung. In ihrer Tätigkeit folgen die JournalistInnen von Radio MIR den Prinzipien eines unabhängigen Journalismus. Unterschiedlichen politischen Standpunkten werden gleiche Möglichkeiten eingeräumt, um eine differenzierte Sichtweise der Problematiken zu gewährleisten.

Ein wichtiges Projekt ist das Regionalprogramm „Mutual Wave“, welches von Radio MIR am 1. Juni 1999 gestartet wurde. Es wird in Zusammenarbeit mit lokalen Radiostationen in Montenegro, Albanien, Mazedonien und Kosovo ausgestrahlt. „Mutual Wave“ verfolgt als erstes regionales Informations­programm die Ziele und Vorgaben des Stabilitätspaktes für Südosteuropa für regionale Vernetzung und Integration. „Mutual Wave“ informiert die albanisch-sprachige Bevölkerung über die wichtigsten Ereignisse in den Ländern der Region. Die Sendungen sind auf dem Internet abrufbar und können so auch von Diaspora-AlbanerInnen und Interessierten aus allen Ländern mitverfolgt werden. Mit diesem Projekt konnte Radio MIR eine Brücke schlagen zwischen AlbanerInnen in aller Welt sowie zwischen AlbanerInnen und anderen Bevölkerungsgruppen. Die Zahlen sprechen für sich: Über 2000 mal wird die Website pro Tag durchschnittlich besucht!

  • Projekte für das Jahr 2001

Radio MIR will mit der Ausstrahlung von „Mutual Wave“ auch im Jahr 2001 fortfahren. Ausserdem bestehen Pläne, noch enger mit anderen unabhängigen Medien in Kosovo, Albanien und Mazedonien zusammenzuarbeiten und so das bereits bestehende Netzwerk weiter auszubauen. 

Zudem hat sich Radio MIR das Ziel gesetzt, mit neuen Programmen die Bevölkerung auf Probleme anzusprechen, die in Montenegro zur Zeit besonders aktuell sind: Drogenhandel, Zigarettenschmuggel, Autodiebstahl usw. Kriminalität, Drogen- und Alkoholkonsum sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen und zu einem alltäglichen Problem geworden. 

Um die Bevölkerung mit diesen Problemen zu konfrontieren, sie über Gefahren und Alternativen aufzuklären, plant Radio MIR eine Reihe neuer Programme. Die Sendung „Laster und ihre Folgen“, die sich mit Problemen wie Drogen-, Alkohol- und Zigarettenkonsum auseinandersetzt, spricht direkt die Jugend an. ExpertInnen werden eingeladen, um über die entsprechenden Themen informieren. Die ZuhörerInnen werden aufgefordert, sich über Telefon an den Diskussionen zu beteiligen. 

Neu im Programm stehen auch Sendungen wie „Über die Familie – für die Familie“ über das Zusammenleben im Haushalt oder „Der Doktor zuhause“, die über gesundheitliche Versorgung mit einfachen Mitteln informiert. In einer ausgeprägt patriarchalen Gesellschaft wie derjenigen Monte­negros ist dies besonders wichtig. Viele Frauen kennen kaum die Grundlagen menschlicher Gesund­heitsvorsorge und vor allem frauenspezifische Probleme sind immer noch stark tabuisiert.

 

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