|
|
|
Ungarischer NachrichtendienstKooperation von BETA und Czaladi KorHintergrund des ProjektsBETA wurde 1994 gegründet und ist heute die grösste unabhängige und professionelle Nachrichtenagentur im ehemaligen Jugoslawien. Sie produziert täglich an die 300 Meldungen auf Serbisch sowie 40 auf Englisch, bietet einige wöchentliche Nachrichtendienste (BetaWeek und Economic Bulletin South-East Europe auf English) und Tonaufzeichnungen an. Insgesamt benutzen um die 300 Abonnenten die Dienstleistungen von BETA, die meisten aus Serbien und den benachbarten Ländern, aber auch einige aus Westeuropa und den USA. Als grösste Agentur der Region unterhält sie weltweit ein eigenes Korrespondenten-Netz mit 20 Mitarbeitern, was den raschen und direkten Zugang zu Informationen sicherstellt. Daneben besteht ein enger Nachrichtenaustausch mit den Agenturen ONASA in Sarajevo, Mediafax in Bukarest, ATA in Tirana und ITAR-TASS in Moskau. In der Zeit vor den serbischen Wahlen, als das Milosevic-Regime mit scharfer Repression gegen unabhängige Medien vorging, war BETA für diese die wichtigste Informationsquelle. Dank Spenden aus dem Ausland – auch von der Medienhilfe Ex-Jugoslawien mittels EDA-Geldern - konnte der Betrieb und die Informationsqualität auch unter schwierigen Umständen immer aufrechterhalten werden. Nach dem Umbruch der politischen Verhältnisse und dem Wandel im Mediensektor hat BETA nun eine zukunftsorientierte Strategie entwickelt, um sich im neuen Umfeld behaupten und unter Marktbedingungen expandieren zu können. Dazu plant die Agentur unter anderem, neue Dienste in ihr Angebot zu integrieren. Czaladi Kor (Familienkreis) wurde 1990 in Novi Sad gegründet. Das unabhängige Wochenmagazin ist mit einer Auflage von 23'000 Exemplaren die beliebteste ungarisch-sprachige Zeitschrift des Landes und erreicht ca. einen Drittel der Ungarn, mit 300'000 Menschen eine bedeutende Minderheit in Serbien. Die Zeitschrift richtet sich an ein breites Leserspektrum und versorgt dieses mit präzisen und objektiven Informationen zu den Themen Nachrichten, Bildung und Unterhaltung. Ihr Team besteht aus sechs Mitarbeitern, aber sie kann zusätzlich auf Beiträge von vielen prominenten Persönlichkeiten der Vojvodina zählen. Csalady Kor publizierte in den letzten Jahren auch einige Bücher über Minderheitenrechte, Rechte der Kinder, Freiheit – Recht – Frieden, dazu 40 Textzusammenfassungen auf Ungarisch für Gymnasien und Universitäten, da die frühere Regierung die Minderheitensprachen total vernachlässigte. Aktuelles ProjektDie Idee für einen Nachrichtenservice in ungarischer Sprache wurde in Zusammenhang mit den Wahlen im Jahr 2000 geboren. Um die aktive Beteiligung der ungarischen Minderheit an der Wahl zu sichern, mussten ihr während des Wahlkampfes fundierte Informationen zur Verfügung gestellt werden. In Zusammenarbeit mit Czaladi Kor bot BETA ab August 2000 einen täglichen Nachrichtendienst in ungarischer Sprache an. Es war dies das erste Mal, das ungarisch-sprachige Medien in Serbien direkten Zugang zu objektiven, aktuellen und qualitativ hochwertigen Meldungen über die Ereignisse im Lande bekamen. Der Prozess läuft dabei folgendermassen ab: BETA schickt über e-Mail eine Auswahl der wichtigsten Meldungen an Czaladi Kor, wo sie auf Ungarisch übersetzt und an die Benutzer weitergeleitet werden. Umgekehrt schickt Czaladi Kor Berichte über Ereignisse aus der Vojvodina an BETA, die diese wiederum in ihren Dienst integriert. Neben eigenen Meldungen bietet der Service auch eine wöchentliche Zusammenstellung wichtiger Meldungen mehrerer Tages- und Wochenzeitungen aus Ungarn an. Diese Kooperation verbessert einerseits den Informationsfluss über die für die ungarische Minderheit relevanten Ereignisse in Serbien, die nun in der Muttersprache zugänglich sind, anderseits erhält BETA Nachrichten aus der Vojvodina, die von ihren eigenen Korrespondenten nicht erfasst werden. Dadurch wird der Austausch von Informationen über die sprachlichen Grenzen hinweg intensiviert – ein wichtiger Beitrag zur Förderung des Dialogs zwischen den ethnischen Gemeinschaften und langfristig zur Verhinderung ethnischer Konflikte, aber auch zur Unterstützung der Minderheiten und ihrem Recht auf den Gebrauch der Muttersprache. Die Verbreitung von Informationen über die Probleme der Minderheiten durch ein landesweites Sprachrohr trägt zur Sensibilisierung der Bevölkerung in der ganzen Bundesrepublik bezüglich der Anliegen und Bedürfnisse dieser Volksgruppen bei. Damit wird auch das Terrain geebnet, um in friedlicher und konstruktiver Weise über den künftigen Status der Vojvodina diskutieren zu können. Das Projekt bettet sich ausdrücklich in eine multikulturelle und –ethnische Gesellschaft ein und ist offen für die Entwicklung ähnlicher Dienste mit anderen Minderheitengruppen oder grenzübergreifender Ansätze, z.B. in Zusammenarbeit mit der ungarischen Minderheit in Rumänien. Die beiden Partner beschlossen deshalb, diesen Dienst auch nach den Wahlen weiterzuführen. Im ersten Halbjahr 2001 versorgten sie ungarisch-sprachige Medien in der Vojvodina und im grenznahen Raum Ungarns, serbisch-sprachige Medien im übrigen Gebiet der Bundesrepublik sowie alle weiteren interessierten Institutionen gratis mit ihren täglichen Nachrichtenbulletins, die auch auf den jeweiligen Web-Seiten abgerufen werden können. Gleichzeitig versuchten die Partner, eine Marketing-Strategie zu entwickeln, um den Dienst durch Abonnentengebühren selbsttragend und nachhaltig zu machen. Bei einer Gebühr von 500 DM pro Monat und der realistischen Annahme von 300 Abonnenten wären die Jahresausgaben gedeckt. Angesichts der angespannten Finanzlage der meisten Medien in der Vojvodina braucht es aber mindestens ein Jahr, bis dieses Ziel erreicht werden kann. Deshalb ist das Projekt in dieser Phase auf internationale Unterstützung angewiesen. Geplanter Beitrag der Medienhilfe Ex-Jugoslawien: 30’000 Franken
|
|