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Medienhilfe Ex-Jugoslawien

Professionelle Solidarität gegen Nationalismus und Chauvinismus
Professional solidarity against nationalism and chauvinism

"POLITICAL" THEFT BLOCKS STUDIO B BROADCASTS
By Milenko Vasovic in Belgrade, in: IWPR'S BALKAN CRISIS REPORT, NO. 109, January 21, 2000


Reisebericht Medienhilfe Ex-Jugoslawien

STUDIO B, BELGRAD - Samstag, 3. Mai 1997

Zoran Ostojic war drei Jahre lang Taxi-Chauffeur in Chicago. Jetzt sitzt er, in Jeans und T-Shirt, im hochlehnigen, ledernen Chefsessel. Sein Büro befindet sich in einem Hochhaus im Zentrum von Belgrad, und wer zu ihm will, muss zuerst an zwei Wächtern vorbei.

Lila Radonic (Chefredaktorin) und Vladan Vasiljevic (Programm-Manager) in der Chefetage von "Studio B".

Zoran Ostojic leitet seit dem Wahlsieg der Opposition in der Stadt Belgrad das Studio B, für das er schon früher gearbeitet hat. Die protzigen Möbel und der aufgeblasene Personalkörper stammen aus der Zeit, als die drei Radiosender und die Fernsehstation von Studio B Regierungstreue markierten und Zoran Ostojic eine Limousine durch Chicago lenkte. Dafür sind die technischen Anlagen noch immer auf dem Stand von 1990. Und dazu hat Zoran Ostojic noch ganz andere Sorgen: Die zwischenzeitlichen Herren von Studio B haben Schulden hinterlassen. Deshalb ist ihm, dem aus früheren Tagen renommierten Journalisten, das journalistische Urteil vergangen: "Wenn ich eine Sendung höre oder sehe, frage ich nicht mehr nach guter oder schlechter Leistung, sondern nach den Kosten."

Die Schulden - und die unverhältnismässig hohen Ausgaben etwa für Löhne - sind auch der Grund, warum Zoran \in|ic, der Oppositionspolitiker und jetzige Bürgermeister von Belgrad, sein Wahlversprechen noch nicht einlösen und Studio B den ehemaligen Besitzern, der Belegschaft von früher, zurückgeben kann. Solange die Altlasten nicht abgetragen sind und die Einnahmen die Ausgaben nicht decken, ist Studio B auf Unterstützung der Stadtregierung angewiesen.

Wirkt Studio B vor diesem Hintergrund als Sprachrohr der Opposition? Chefredaktorin Lila Radonjic verneint: "Wir geben allen politischen Richtungen eine Plattform - ausser jenen kleinen Gruppierungen, die bloss Satelliten von Milosevic’s SPS sind." Der Fernsehkanal von Studio B sendet zehn bis zwölf Stunden im Tag und bedient ein Gebiet mit rund 4,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Davon leben 2 Millionen in Belgrad. Pflegt Studio B einen Programmaustausch mit anderen unabhängigen Sendern in Serbien oder Kroatien? "Die technischen Möglichkeiten dazu fehlen", sagt Zoran Ostojic . "Wenn ich mich so umschaue, dürfte ich nicht optimistisch sein. Doch ich bin es." Und die Zeit in Amerika? "Das war nur eine Pause, nichts Aussergewöhnliches."

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