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Reisebericht Medienhilfe Ex-JugoslawienVREME, BELGRAD - Donnerstag, 8. Mai 1997Brot und Butter sind die härteste Konkurrenz der Zeitschrift "Vreme". Die einstige Mittelklasse - dazu gehörten auch Professoren und Lehrkräfte - ist abgewandert, und diejenigen, die geblieben sind, geben ihr karges Geld für Lebensmittel aus. Dragoljub Zarkovic, dem Chefredaktor von "Vreme", sind die Sorgen ins Gesicht geschrieben. Er hat sie zusammen mit seinem Team in einem mehrseitigen Papier zusammengefasst, das er an internationale Organisationen mit der Bitte um Unterstützung gesandt hat.
Das Abonnementswesen hat in Jugoslawien keine Tradition. Abonnierte Exemplare werden in Belgrad persönlich ausgeliefert, da die Post nicht zuverlässig arbeitet und niemand daran interessiert ist, die neuste Ausgabe mit fünftägiger Verspätung zu erhalten. Trotzdem haben die Leute von "Vreme" auch die Idee, für die Abonnentinnen und Abonnenten einen Club zu gründen, der weitere Vorteile, zum Beispiel günstigere Anzeigenpreise, bieten würde. Die Demonstrationen zu Beginn dieses Jahres haben die Auflage merklich wachsen lassen. Ebenso dramatisch und schnell ist sie danach wieder gefallen. Jetzt werden 25000 Exemplare gedruckt, und davon sind 5000 für den internationalen Markt bestimmt. Der grössere Teil wird durch Strassenverkäufer abgesetzt, der kleinere Teil durch die staatlich kontrollierte Distribution, die keine genauen Verkaufszahlen liefert und sich mit der Auszahlung mehrere Monate Zeit lässt. Aber Dragoljub Zarkovic glaubt ohnehin nicht an die Wirkung grosser Auflagen: "Mir ist viel wichtiger, wer unsere Zeitschrift liest. Die Art unserer Leserinnen und Leser kann viel mehr bewirken als die Höhe der Auflage." Auch eine inhaltliche Ausweitung fasst das Team von "Vreme" ins Auge. Nur sehen die älteren Journalisten die Relevanz "neuer" Themen nicht. Und dazu kommen immer wieder die Geldsorgen. "Vreme" muss zum Beispiel für den Druck im voraus bezahlen. Fragt sich womit, wenn der Staat die Einnahmen aus dem Verkauf zurückhält. Bleiben also nur Darlehen mit 15 Prozent Zins, so dass die Schulden immer grösser werden. Kam der Druck im Krieg von politischer Seite, so ist er jetzt wirtschaftlicher Natur. Media Analyse of VREME // Background on VREME |
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